Nullbestand: Wie lässt sich der Bestand für einen effizienten Betrieb verringern

13 Oktober 2021

Der Nullbestand ist eine Logistik- und Produktionsstrategie, mit der die Menge der Bestände im Lager auf ein Minimum reduziert werden soll, um Betriebskosten zu senken. Das Ziel dabei ist, Produkte des Anlagevermögens, die nicht durch einen Kaufauftrag gedeckt sind, zu vermeiden.

In diesem Artikel befassen wir uns näher damit, was Nullbestand ist, was seine wichtigsten Vorteile sind, wie er im Lager angewendet wird und in welcher Beziehung er mit Produktionssystemen wie „Just-in-Time“ (JIT) oder Modellen des elektronischen Handels wie Drop-Shipping steht.

Was ist der Nullbestand?

Der Nullbestand, ebenfalls als „Zero Stock“ bezeichnet, ist eine Strategie zur Logistikplanung, deren Ziel es ist, die Menge der im Lager gelagerten Bestände so weit wie möglich zu begrenzen, um Platz zu sparen und nicht produktive Kosten zu vermeiden. In den Logistikanlagen werden nur solche Produkte empfangen, die bereits zuvor von dem Kunden bestellt wurden, wodurch der Reservebestand auf ein Minimum beschränkt wird.

Ein Nullbestandsszenario wird insbesondere bei Logistikstrategien und Produktionssystemen angestrebt, die darauf ausgerichtet sind, Mehrkosten im Lager zu vermeiden, wie zum Beispiel Just-in-Time oder Cross-Docking. Bei der Anwendung in Sektoren mit starkem Wettbewerb, wie dem E-Commerce oder der Fertigungsindustrie, wird mithilfe dieser Strategien versucht, die Leistung aller Prozesse zu maximieren und Fehler oder Störungen zu beseitigen, die die Betriebskosten der Unternehmen erhöhen.

Das Just-in-Time-Modell, das ursprünglich vom Toyota-Konzern entwickelt wurde, war Vorreiter bei der Implementierung von Nullbestandsstrategien und führte ein Organisationssystem ein, das darauf ausgerichtet war, durch Beseitigung überflüssiger Ausgaben eine maximale Produktivität zu erreichen. Diese Produktionsphilosophie wurde in der sogenannten Theorie der 5 Nullen formuliert: null Fehler, null Störungen, null Fristen, null Papier und null Bestand.

Vorteile (und Nachteile) des Nullbestandsansatzes

Eine Nullbestandsstrategie fördert die Verringerung des Bestands im Lager, wodurch Folgendes ermöglicht wird:

  • Vermeiden von Bestandsverlusten aufgrund einer Verschlechterung der Qualität oder aufgrund von Produkten, für die es keine Nachfrage mehr gibt. Dies ist insbesondere bei Unternehmen der Fall, die mit Beständen mit Verfallsdatum oder mit engen Versandterminen arbeiten, wie zum Beispiel die Agrar- und Lebensmittelindustrie oder die Automobilbranche, oder auch in Sektoren, die mit Werbeaktionen oder Nachfrageschwankungen arbeiten, wie die Modebranche oder der Einzelhandel.
  • Senken der Lagerungskosten, da die Notwendigkeit der Verfügbarkeit von Reservewaren beträchtlich beschränkt ist. Die Nullbestandsstrategie bedeutet weniger Lagerpositionen und folglich wird ein kleinerer Lagerbereich benötigt. Der Platz, der hierdurch frei wird, kann für andere Vorgänge verwendet werden, die zur Verbesserung des Geschäfts beitragen, wie zum Beispiel eine Erweiterung des Produktionsbereichs oder der für den Wareneingang und Warenversand genutzten Bereiche. Es kann ebenfalls ein Bereitstellungsbereich eingerichtet werden, der als vorübergehendes Pufferlager, das heißt, als provisorischer Lagerbereich dienen kann und in dem die Ware bis zum nächstfolgenden Vorgang aufbewahrt wird.
  • Optimierung des Humankapitals: Die Implementierung dieser Bestandspolitik ermöglicht es, den Lagerarbeitern Aufgaben mit einem höheren Mehrwert zuzuweisen.

Allerdings erfordert die Nullbestandsstrategie Genauigkeit bei der  Beschaffungslogistik. Jegliche Unstimmigkeit zwischen den Aufträgen bei den Bestandsein- und -ausgängen führt direkt zu einem Fehlbestand und somit der Unmöglichkeit, eine Bestellung an den Kunden zu liefern. Wenn kein Sicherheitsbestand vorgehalten wird, verfügen Unternehmen, die eine Nullbestandspolitik umgesetzt haben, nicht über eine elastische Logistik und können sich folglich nicht an unerwartete Nachfragespitzen anpassen.

El cross-docking es un método de preparación de pedidos que aspira a minimizar el stock en almacén
Das Cross-Docking ist eine Methode der Auftragszusammenstellung, deren Ziel es ist, den Bestand im Lager zu minimieren

Von „Just-in-Time“ bis „Cross-Docking“ – 3 Nullbestandsstrategien

Die Prämisse, den Bestand im Lager zu minimieren, um Mehrkosten zu senken, ist einer der Schlüsselfaktoren bei vielen Methoden zur Bestandsverwaltung, die in der aktuellen Logistikumgebung weit verbreitet sind. Die wichtigsten von diesen sind:

  • „Just-in-Time“: System zur Organisation der Produktion, bei dem nur die Bestände oder Produkte vorgehalten werden, die notwendig sind, um die Kaufaufträge auszuführen. Bei der JIT-Strategie geht die Ware zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge ein, die für die Ausführung der Produktionsabläufe benötigt wird.
  • Cross-Docking: Methode der Auftragszusammenstellung, wobei die Ware direkt an den Kunden gesandt wird, ohne dass sie zuvor eine Lagerungsphase durchläuft; somit bleibt der Bestand nur für den kürzestmöglichen Zeitraum im Lager. Die Ware geht im Lager ein, wo sie in einem vorübergehenden Pufferlager (oder einem Bereitstellungsbereich) aufbewahrt und  anschließend versandt wird, ohne dass sie in einem Lagerungssystem gelagert wurde. Dieses Organisationssystem erfordert eine perfekte Synchronisierung über die gesamte Logistikkette. Folglich ist die Digitalisierung der Lieferkette wesentlich, um Fehler und Fehlbestände zu vermeiden.
  • Drop-Shipping: Form des Internetverkaufs, wobei Produkte vertrieben werden können, ohne dass Bestände verfügbar sind. Bei diesem Geschäftsmodell verwaltet der Verkäufer („Drop-Shipper“) die Transaktion lediglich und fungiert somit als Vermittler zwischen dem Kunden, der das Produkt kauft, und einer Drittlieferfirma, die den Bestand lagert und für den Versand der Bestellung an den Käufer in der vereinbarten Frist und zu den vereinbarten Konditionen zuständig ist. Folglich verwaltet der „Drop-Shipper“ den Bestand, den er vertreibt, nicht: sein Bestand ist effektiv null.
Easy WMS contribuye a implementar con éxito estrategias de stock cero
Easy WMS unterstützt die erfolgreiche Implementierung von Nullbestandsstrategien

Wie kann eine Nullbestandsstrategie implementiert werden?

Bei einer Nullbestandsstrategie ist es wesentlich, eine effiziente Bestandsverwaltung zu gewährleisten, wobei die manuelle Bestandskontrolle durch digitale Systeme ersetzt werden muss, die dazu in der Lage sind, die Beschaffungsaufträge mit den Bestellungen zu koordinieren. Alle Vorgänge des Lagers oder Produktionszentrums müssen Hand in Hand gehen, um die gelagerten Bestandsmengen zu minimieren und die Lieferung sicherzustellen. Eine Lagerverwaltungssoftware (LVS) ist das ideale Werkzeug, um eine strenge Kontrolle der Produktein- und ausgänge, der Verwaltung der Lagerpositionen und der Auftragszusammenstellung zu erreichen.

Ein weiterer Eckpfeiler der Nullbestandsstrategie ist die Verkürzung der „Lead Time“, das heißt, der durchschnittlich für die Beschaffung der Produkte und/oder Rohstoffe erforderlichen Zeit. Auch hierbei spielt eine LVS eine wesentliche Rolle, da sie sich in ständigem Kontakt mit der Software des Lieferanten befindet, wodurch Lieferzeiten verkürzt und Wiederbeschaffungen mit den Kaufaufträgen des Kunden koordiniert werden.

Letztendlich ist die Einführung eines Lagerverwaltungssystems der Weg, um einem Nullbestand näher zu kommen. Das Programm ermöglicht die Nachverfolgbarkeit aller Lagerabläufe und bietet vor allem dem Logistikleiter einen ganzheitlichen Überblick darüber, welche Bestände zum Versand oder zur Produktion notwendig sind und welche Bestände im Lager vorhanden sind.

Beispiel für einen Nullbestand: Font Vella

Das führende Unternehmen für Flaschenwasser Font Vella hat Mecalux mit der Neuorganisation der Logistik seines Lagers in Sant Hilari Sacalm (Girona) beauftragt. Auf dem Gelände können mehr als 4.200 Paletten mit Flaschenwasser und 500 Paletten mit Wasser in Glasflaschen gelagert werden, was etwa einer Tagesproduktion entspricht. Aus diesem Grund muss die Lagerhalle ständig Ware versenden, um Engpässe in der Produktion zu verhindern.

In der Praxis wendet diese Anlage eine Auftragszusammenstellung durch „Cross-Docking“ an: das Produkt geht bereits palettiert im Lager ein, von wo aus es im Laufe des Tages direkt versandt wird. Die Produktion läuft selbst an den Wochenenden und die Lagerarbeiter müssen sicherstellen, dass das Lager am Freitag vollständig leer ist, damit die am Samstag und Sonntag fertiggestellten Produkte dort untergebracht werden können.

Die Lösung von Mecalux bestand in einem Lagersystem mit Durchlaufregalen für Paletten, die als vorübergehendes Pufferlager dienen. In den Regalen werden die Paletten gelagert, die im Laufe des Arbeitstags produziert worden sind, um anschließend am Ende des Tages versandt zu werden.

Nullbestand: geringere Kosten, aber höheres Risiko

Für Unternehmen, die wissen, wie die Logistik- und Produktionsstrategie des Nullbestands implementiert werden muss, ist diese mit zahlreichen Vorteilen verbunden, darunter die Optimierung der Ressourcen oder die Senkung der Lagerkosten. Wenn sie allerdings nicht korrekt umgesetzt wird, kann sie zu Unstimmigkeiten im Bestand und Fehlern bei der Auftragszusammenstellung führen, was der Wettbewerbsfähigkeit und dem Image des Unternehmens schaden kann.

Aus diesem Grund ist es unerlässlich, die manuellen Verwaltungsprozesse zu ersetzen und ein Lagerverwaltungssystem zu nutzen, mit dem eine strenge Bestandskontrolle im Lager realisiert werden kann. Diese Software koordiniert alle Aufgaben, die innerhalb des Lagers durchgeführt werden, und stellt sicher, dass die Produkte an jeder Lagerposition wieder aufgefüllt werden, synchronisiert die Versorgungsaufträge mit den Produktions- oder Versandaufträgen und erzielt eine maximale Effizienz der Anlage.

Wenn Sie an der Einführung einer Nullbestandspolitik interessiert sind, setzen Sie sich mit Mecalux in Verbindung. Unsere Softwareexperten werden Sie bezüglich der besten Lösung für Ihr Unternehmen beraten.