Die Komplexität des Bestandsmanagements im Lager macht die Verwendung eines LVS notwendig

Was ist Bestandsmanagement? Leitfaden, um die Schritte dieses komplexen Arbeitsschrittes zu verstehen

25 März 2019

Bestandsmanagement umfasst alle Vorgänge zur Regulierung des Waren- oder Produktflusses in einem Unternehmen. Es ist dafür verantwortlich die Instandhaltungskosten der Lagerbestände minimal zu halten, was keinen Einfluss auf den Service haben sollte, der dem Kunden entgegengebracht wird.

Die Richtlinien des Bestandsmanagements auf Unternehmensebene geben Aufschluss über folgende Fragen: Was ist der ideale Bestand für jede Referenz? Wann müssen Bestellungen für die Bestandsauffüllung vorgenommen werden? Welche Menge sollten wir erwerben?

Der Teil des Bestandsmanagements, der den Betrieb des Lagers betrifft, umfasst unter anderem Aufgaben wie die Zuordnung von Lagerorten, die Rückverfolgbarkeit von Lagerbeständen oder Bestandsverwaltungsmethoden (wie FIFO, FEFO oder LIFO). Wir konzentrieren uns in unserem Artikel auf diesen speziellen Bereich der Lagerbestandsverwaltung.

Unterschiede zwischen Bestandsüberwachung, Bestandsmanagement und Bestandsoptimierung

Innerhalb der Welt der Lagerverwaltung hängen die Konzepte von Bestandsüberwachung, -management und –optimierung eng zusammen. Deshalb kommen manchmal Zweifel auf, worauf sich eigentlich jedes der Konzepte genau bezieht:

  • Die Bestandsüberwachung ist wie ein Detailfoto der Warenbestände, die sich in einem Lager befinden. Sie umfasst alle Informationen bezüglich Menge, Eigenschaften und Standort. Die Zuverlässigkeit dieses Datensatzes ist fundamental, um Fehler zu vermeiden, die den Lagerbetrieb beeinträchtigen können.
  • Das Bestandsmanagement im Lager bezieht sich auf die Art und Weise, wie alle Materialflüsse im Lager organisiert werden. Es schließt unter anderem Tätigkeiten wie die Zuweisung von Lagerorten, die Rückverfolgbarkeit des Bestands, die Planung der Lagerauffüllung oder Warenbewegungssysteme wie FIFO, FEFO oder LIFO mit ein.
  • Die Bestandsoptimierung enthält Aufgaben zur Verbesserung der Produktivität des Lagerbestands. Mit Hilfe spezieller Software können beispielsweise historische Daten des Lagers analysiert werden, um das slotting oder Platzieren von Produkten zu verbessern. Sie ermöglicht auch das Erstellen von Wärmekarten, die Ineffizienzen erkennen lassen und so zur Beseitigung von Engpässen beitragen.

Es gibt unterschiedliche Computerprogramme auf dem Markt, die dabei helfen, die jeweiligen Ziele der einzelnen Konzepte zu erreichen. In der Regel verfügen Lagerverwaltungssysteme über Funktionen, die bei den unterschiedlichen Aufgaben jedes Konzeptes unterstützen sollen, wie wir später im Detail sehen werden.

Das LVS ermöglicht das Erstellen von Abbildungen der Bestandssituation als Teil  seiner Bestandsmanagement-Funktion
Das LVS ermöglicht das Erstellen von Abbildungen der Bestandssituation als Teil seiner Bestandsmanagement-Funktion

Was sind die Ziele der Bestandsverwaltung?

Das Ziel des Bestandsmanagements ist es, das Gleichgewicht zwischen den folgenden Faktoren zu finden:

- Den Lagerbestand auf effiziente Art und Weise der Nachfrage anpassen

Die Warenbestände im Lager werden auf Basis von Bedarfsprognosen berechnet. So verhält sich der Lagerbestand in einem Sektor mit einem mehr oder weniger stabilen Produktverbrauch nicht genauso wie in einem stark saisonal geprägten Sektor.

Demand Forecasting ist eine Disziplin im Bereich der Big Data bei Lieferketten für das Erstellen von fortschrittlichen Bedarfsprognosen auf Basis von Verkaufsdaten, Markttrends, Wettbewerbsinformationen und anderen wirtschaftlichen Indikatoren.

- Ein gutes Serviceniveau sicherstellen

Innerhalb des Bestandsmanagements bezieht sich das Serviceniveau auf die Fähigkeit eines Lagers einen bestimmten Artikel zu lokalisieren, zu verpacken und zu versenden sowie diesen mit einer exakten Genauigkeit, in einem perfekten Zustand und innerhalb kürzester Zeit auszuliefern.

Hierbei muss immer ein Gleichgewicht gefunden werden, damit das hohe Serviceniveau nicht auf unverhältnismäßige Art und Weise die Lagerkosten erhöht.

Der Vormarsch der Omni-Channel Strategie und die charakteristische Hyperkonnektivität der Logistik 4.0 haben zu einem extremen Anstieg der Kundenansprüche geführt, vor allem bei jenen, die Produkte online kaufen. Das spiegelt sich sowohl im Service für Endkunden als für Geschäfte wider: Lieferengpässe werden von den Verbrauchern immer weniger toleriert. Diese werden nicht zögern, zur Konkurrenz zu gehen, wenn sie das gewünschte Produkt nicht unter optimalen Bedingungen vorfinden.

- Die Lagerkosten des Bestands begrenzen

Der Schlüssel für die Reduzierung von unbeweglichen Beständen im Lager ist die zunehmende Nutzung von Strategien wie Cross-Docking oder Just-in-Time. Das Hauptziel der Lagerlogistik besteht darin, zu versuchen, den Lagerbestand zu begrenzen, ohne dabei den Service zu beeinträchtigen.

Um dies zu erreichen, werden in vielen Fällen Lösungen zur Verbesserung der Gesamteffizienz des Lagers gewählt:

Herausforderungen, die das Bestandsmanagement im Lager beeinflussen

Die Entwicklung der Lieferkette führt für die Lager zu Situationen, die sich auf die Verwaltung der Lagerbestände auswirken:

- Zunahme der Anzahl gelagerter Referenzen oder SKU Proliferation

Der Anstieg der Anzahl an Referenzen oder SKU verkompliziert die Optimierung des Lagerbestands. Diese Zunahme erfordert die Aufrechterhaltung eines Mindestbestandes in dem immer vielfältiger werdenden Lager, das insgesamt stark anwächst. Dieses Phänomen ist als SKU proliferation bekannt.

Ein Kosmetikunternehmen beispielsweise hat fünf Referenzen von verschiedenen Shampoos, die auf den Haartyp und den Duft angepasst sind. Kurz danach entscheidet es sich, fünf weitere Referenzen, die sich auf das männliche Publikum konzentrieren, auf den Markt zu bringen und kommt so auf 10 SKUs. Nachdem es zusätzlich die Bedürfnisse der Kunden evaluiert hat, stellt es ihnen noch die kleine Reiseversion zu jeder Variante zur Verfügung, weshalb jetzt schon 20 Referenzen gehandhabt werden müssen.

Die SKUs beginnen zu steigen, wenn die Produktpalette um neue Artikel erweitert wird und von jedem Produkt ein Mindestbestand gehalten werden muss, um die Nachfrage befriedigen zu können.

Die enorme Produktvielfalt macht das Bestandsmanagement im Lager noch komplexer
Die enorme Produktvielfalt macht das Bestandsmanagement im Lager noch komplexer

- Rückverfolgbarkeit des Bestands

Für eine zuverlässige Bestandskontrolle ist die Rückverfolgbarkeit der Materialflüsse im Lager wesentlich. Sie hilft Fehler bei der Kommissionierung, Auftragsvorbereitung und Lagerplatzzuweisung zu vermeiden.

Dies kann für den Lagerbetrieb eine echte Herausforderung darstellen. Bei hochkomplexen Beständen ist es daher notwendig, Kodierungssysteme zu verwenden, die diese Bestände automatisiert und exakt klassifizieren und erfassen. Der Einsatz von Radiofrequenz-Lösungen anstelle von Papier ist somit ein Trend, der sich heute in den meisten mittleren und großen Lagern etabliert hat.

- Abrupte Veränderungen der Nachfrage

Veränderungen in der Nachfrage erfordern vom Lager immer mehr Flexibilität in seiner Arbeitsweise und Reaktionsgeschwindigkeit. Dies spiegelt sich besonders in der Arbeitsweise von E-commerce-Unternehmen wider: Der Endkunde lässt sich von Trends und Tendenzen leiten, die nur schwer vorhersehbar sind. Eine weitere Branche, die diesen Herausforderungen ständig gegenüber steht, sind Vertriebszentren, die sich an die Produkte ihrer eigenen Kunden anpassen müssen.

Außerdem kann die Saisonabhängigkeit eine weitere Herausforderung für das Bestandsmanagement darstellen, da das Lager zu bestimmten Zeiten im Jahr ausgelastet sein kann. Dies passierte beispielsweise beim französischen Unternehmen Schaal Chocolatier, bevor es ein Automatisierungsprojekt mit Mecalux begonnen hat.

Funktioniert ein LVS als Bestandsmanagementsystem?

Aufgrund der Herausforderungen, die die Effektivität des Bestandsmanagements im Lager gefährden, wurde eine spezielle Software entwickelt, die diese komplexen Aufgaben erfolgreich bewältigen kann. So enthalten Lagerverwaltungssysteme wie Easy WMS von Mecalux Funktionen für die Bestandsverwaltung, wie:

  • Verwaltung von Lagerorten: Das LVS optimiert den Prozess der Lagerplatzzuweisung für die Waren. Ebenso ermöglicht es den Betrieb mit einem ungeordneten Managementsystem oder einem chaotischen Lager, um mehr Lagerraum und Effizienz zu schaffen.
  • Graphische Visualisierung des Lagers und seines Bestands: Diese digitale Kartierung von Lagerstandorten hilft, Bestände zu erstellen und zu ändern, Lagerorte zu blockieren oder sie auf agile und intuitive Weise als abgeschlossen zu markieren.
  • Permanente Bestandskontrolle: Die Echtzeit-Bestandsaufzeichnung ermöglicht eine lückenlose Kontrolle über den Lagerbestand und dessen genauen Lagerort.
  • Berichte und Statistiken: Das LVS zeichnet historische Daten auf und zeigt zusätzlich die Bestandsmanagement-KPIs an. So können die Daten analysiert und Verbesserungsmöglichkeiten erkannt werden.

Das Bestandsmanagement im Lager ist ein komplexer Arbeitsbereich, der nur mit Hilfe eines leistungsstarken LVS vollständig beherrscht werden kann. Wenn Sie mehr über die Funktionen von Easy WMS erfahren möchten, die sich auf das Bestandsmanagement und die Organisation der restlichen Vorgänge im Lager beziehen, dann kontaktieren Sie uns und wir erstellen Ihnen eine personalisierte Demo.