LKW entladen Waren an einem Cross Docking Punkt

Was ist Cross Docking? Wie funktioniert es und welche Arten gibt es?

23 Januar 2019

Cross Docking (oder auch Kreuzverkupplung) bezeichnet ein bestandsloses Distributionsverfahren, bei dem Waren nicht mehr traditionell gelagert, sondern direkt umgeschlagen und zum Kunden versendet werden. Die Waren werden bereits durch den Lieferanten (Absender) vorkommissioniert. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich bei den Produkten um Rohstoffe, Fertigprodukte oder Komponenten für Fabriken, für physische Lager oder für Endkunden handelt. Das Cross Docking Zentrum ist dabei ein Umschlagspunkt, der einen gleichmäßigen Durchfluss erzielt.

Lassen Sie uns einen genaueren Blick auf die Bedeutung dieses Modells und die am häufigsten vorkommenden Varianten von Cross Docking werfen.

Wie funktionieren Cross Docking Vorgänge?

In einer traditionellen Lieferkette stellt das Lager ein wichtiges Bindeglied zwischen Lieferanten (Angebot) und Verbrauchern (Nachfrage) dar. In der Regel ist der Logistikkreislauf unterbrochen, da Angebot und Nachfrage nicht synchronisiert sind und deshalb ein Lager überhaupt erst notwendig ist. Denn dort befindet sich die Ware, bis sie bei einer Bestellung ausgelagert, kommissioniert, für den Versand vorbereitet und schließlich an den Endkunden oder die Filiale versendet wird. Dies führt in der Regel zu einer hohen Kapitalbindung und einem großen Arbeitsaufwand, der durch die Warenkommissionierung entsteht.

Mit Cross Docking hingegen wird das Fließprinzip realisiert, wodurch sich Effizienz und Effektivität in der Lagerhaltung erhöhen lassen, da weniger Bestände anfallen bzw. die Durchlaufzeiten für die Waren sinken.

Modell einer traditionellen Lieferkette
Modell einer traditionellen Lieferkette

Voraussetzung für ein erfolgreiches Funktionieren von Cross Docking ist die perfekte Koordination aller Beteiligten: Lieferanten, Lagerhalter, Transporteure und Endverbraucher. Der Informationsfluss muss hierbei reibungslos funktionieren, und der Transport innerhalb des Lagers sollte größtenteils automatisiert sein. Das spart nicht nur Personalressourcen, es ermöglicht auch eine optimale Platzausnutzung und schnellere Abläufe. Bei diesen dynamischen und komplexen Anforderungen in der Lieferkette kommen neu entwickelte spezielle Informationssysteme und Software zum Einsatz.

Aber auch innerhalb des Lagers selbst ist ein leistungsfähiges Lagerverwaltungssystem als wesentlicher Bestandteil erforderlich, um auf Cross Docking Anforderungen reagieren zu können.

Modell einer Lieferkette mit Cross Docking
Modell einer Lieferkette mit Cross Docking

Phasen des Cross Docking

Im Allgemeinen kann man Cross Docking in folgende Hauptphasen einteilen:

1. Programmierung der Distribution durch Lieferanten

2. Annahme der zu lagernden Waren

3. Registrierung und Überprüfung der im Rahmen der Qualitätskontrolle erhaltenen Ladung

4. Umpacken, Konsolidierung der Bestellungen (falls erforderlich) und Versand der Ware

Cross Docking Varianten

Cross Docking kann mit unterschiedlichen Ladeeinheiten (Paletten, Kisten, Produkt-Kits...) durchgeführt werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Cross Docking zu organisieren:

1. Einstufiges Cross Docking

Das einstufige Cross Docking ist die einfachste Variante. Hier erfolgt die Vorkommissionierung der Ware -bezogen auf den Endempfänger- durch den Lieferanten, d. h. die Ware wird vom Absender verpackt, wobei die logistischen Einheiten unverändert bestehen bleiben und anschließend weiterverteilt werden. Daher reduziert sich der Cross Docking Vorgang auf die Annahme der Ware und deren Versendung ohne weiteres Eingreifen der Lagerarbeiter.

2. Zweistufiges Cross Docking

Das zweistufige Cross Docking ist ein konsolidiertes Modell, bei dem Ware an die Bedürfnisse des Endkunden angepasst wird. Die angelieferten Ladeeinheiten werden in dem Fall erst an dem Cross Docking- oder Umschlagspunkt in neuen logistischen Einheiten kommissioniert. Dies kann das Organisieren von Paletten aus kleineren Ladeeinheiten oder -umgekehrt- das Aufteilen der Ware in einzelne Pakete oder Produkt-Kits sein, bevor es zur Auslieferung an den Endkunden kommt.

Zweistufiges Cross-Docking bedeutet, neue Ladeeinheiten vorzubereiten, die den Anforderungen des Endkunden entsprechen
Zweistufiges Cross-Docking bedeutet, neue Ladeeinheiten vorzubereiten, die den Anforderungen des Endkunden entsprechen

3. Mehrstufiges Cross Docking

Diese Variante entspricht im Prinzip dem zweistufigen Modell, jedoch kommt jetzt neben der eigentlichen Umkommissionierung noch eine unbegrenzte Anzahl weiterer Aufgaben bzw. Prozessschritte hinzu, z. B. Konfektionierung, Aufbau und Montage, Abfüllen, Zuschneiden oder Etikettierung. Es handelt sich um eine komplexere Art des Cross Docking, bei der die Bestellungen am Umschlagspunkt vorbereitet werden, wobei auch ein Teil der Ware aus den liefernden Lastwagen und ein Teil der bereits im Lager befindlichen Güter kommen kann. In diesen Fällen kann die empfangene Ware in ein temporäres Lager verschoben werden.

Diese flexible Form des Cross-Docking ermöglicht es, auf eine größere Vielfalt von Szenarien zu reagieren. Sie erfordert aber auch eine effektive Koordination aller mit dieser Operation verbundenen Aufgaben.

Cross Docking ist kein neues Konzept. Viele Unternehmen setzen es ein, um die hohen Anforderungen im Bereich der Omni-Channel Logistik zu erfüllen. Es ist wichtig, sich die Vor- und Nachteile von Cross Docking und die Beispiele, in denen es sich als erfolgreiche Taktik erwiesen hat, genau anzusehen, bevor es in die eigene Kommissionierstrategie aufgenommen wird.