Die Just-in-Case-Bestandsführungsstrategie besteht darin, Waren und Rohstoffe im Voraus zu lagern.

Just-in-Case, die logistische Alternative zu JIT

28 Juli 2021

Bei Just-in-Case (JIC) handelt es sich um eine Strategie der Bestandsverwaltung, deren wichtigste Eigenschaft darin besteht, dass Unternehmen über einen ausreichenden Bestand verfügen, um jede Art von Eventualität bewältigen zu können. Sie funktioniert in direktem Gegensatz zu der Methode, die  als Just-in-Time (JIT) bezeichnet wird und bei der Herstellung und Lagerung sich nach den eingehenden Bestellungen richten.

Ist es also besser, die Lagerkosten zu verringern und das Risiko einzugehen, manche Bestellungen nicht liefern zu können, oder sollten vielmehr alle Bestellungen gesichert und dafür eine größere Investition in die Lagerung getätigt werden? Dieser Artikel untersucht, was genau die Just-in-Case-Strategie ist, worin die wichtigsten Unterschiede zu der „Just-in-Time“-Methode bestehen und wie sie sich in einem Lager umsetzen lässt.

Wie funktioniert eine Logistik nach dem Prinzip „Just-in-Case“?

Bei der als Just-in-Case (JIC) bezeichneten Strategie zur Bestandsverwaltung werden Rohstoffe und Fertigwaren bereits im Voraus produziert, geliefert oder gelagert, sodass jederzeit ausreichende Bestände verfügbar sind. Der überschüssige Bestand wird in den Lagern des Unternehmens aufbewahrt, wodurch mögliche Fehlbestände für den Fall von Unterbrechungen der Lieferkette verhindert werden.

Mit der Just-in-Case-Methode wird sichergestellt, dass im Falle einer unerwartet hohen Nachfrage immer noch Bestand verfügbar ist, d. h. das Lager verfügt über ausreichende Reserven, um neue Bestellungen zu liefern. Die JIC-Produktion wird auch als Push-Produktionssystem bezeichnet und ist dadurch gekennzeichnet, dass die Herstellungskosten niedrig sind, weil eine Produktion im Voraus in großen Mengen möglich ist. Eine Branche, die beispielsweise in der Regel Just-in-Case produziert, ist die Pharmaindustrie. Zum einen, weil sie mit Produkten arbeitet, die aufgrund ihrer kleinen Abmessungen einfach zu lagern sind, und zum anderen, weil Fehlbestände ernsthafte Folgen für die Gesundheit der Gemeinschaft haben könnten.

Das Gegenteil dieser Methode ist Just-in-Time (JIT), das auf einer reaktiven Strategie im Falle einer Nachfrage seitens des Kunden basiert: das Unternehmen produziert das Produkt nur unter Berücksichtigung der Bestellungen des Verbrauchers (Pull-System) und führt  keinen Sicherheitsbestand. Obwohl eine Just-in-Time-Produktion eine Verringerung der Lagerkosten ermöglicht ― da keine überschüssigen Bestände gelagert werden ―, können bei einem Unternehmen, das diese Methode einsetzt, im Falle eines unerwarteten Anstiegs der Nachfrage, bei Unterbrechungen der Lieferkette oder Fehlern bei der logistischen Planung Schwierigkeiten auftreten.

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Die durch das Coronavirus verursachte Krise hat Unternehmen dazu gezwungen, Just-in-Case-Strategien einzuführen

Vor- und Nachteile von Just-in-Case in der Lieferkette

Die Just-in-Case-Methode beinhaltet die Überproduktion von Waren, um im Gegenzug jederzeit die Verfügbarkeit des Bestands zu gewährleisten. Sie wird in der Regel bei Unternehmen implementiert, bei denen eine Bestimmung der Nachfrage im Voraus schwierig ist, sei es aufgrund der Besonderheiten des Sektors oder aufgrund einer konkreten Situation (fehlende Arbeitskräfte, Probleme bei der Versorgung…)

In dieser Hinsicht ist diese Methode der Bestandsverwaltung durch Folgendes gekennzeichnet:

  • Verfügen über einen umfangreichen Sicherheitsbestand: Die Unternehmen stellen sicher, dass sie alle Bestellungen liefern können und keinen Kunden enttäuschen.
  • Planung der Kosten: JIC ermöglicht eine bessere Planung der Kosten, z. B. der Transportkosten, da bestimmte Phasen, wie die Produktion oder der Versand an die Kunden im Voraus geplant werden können.
  • Effiziente Verwaltung von Nachfragespitzen: Im Falle einer drastischen Veränderung bei den Verbrauchstendenzen kann das Unternehmen schneller reagieren als seine Konkurrenz und seine Marktposition festigen.

Der wichtigste Nachteil der Just-in-Case-Methode ist, dass hiermit höhere Lagerkosten als bei Just-in-Time entstehen, was bei Unternehmen mit unterschiedlichen Ladeeinheiten, mit Produkten unregelmäßiger Größe oder bei solchen, die mit verderblicher Ware arbeiten, zu ernsthaften Problemen führen kann.

El módulo de Supply Chain Analytics de Easy WMS permite anticiparse a las disrupciones en la cadena de suministro
Mit dem Modul Supply Chain Analytics vonEasy WMS ist es möglich, sich auf Unterbrechungen der Lieferkette einzustellen

Wie kann eine Just-in-Case-Strategie implementiert werden

Zur Implementierung eines Just-in-Case-Systems  ist es notwendig, über ein geordnetes Lager zu verfügen, in dem sich alles an seinem Platz befindet, insbesondere bei einem hohen Bestandsvolumen. In dieser Hinsicht ist die Nutzung einer Software, die die Verwaltung der Lagerpositionen automatisiert, unverzichtbar. Ein LVS wie Easy WMS von Mecalux gewährleistet eine Kontrolle über die Nachverfolgbarkeit des Produkts und verhindert Fehler bei der Kommissionierung. „Wir benötigten eine Software, mit der wir die Ware mit vollständiger Genauigkeit kontrollieren konnten“, erläutert David Garcia, Lagerleiter von Samaniego, ein auf Tiergesundheit spezialisiertes spanisches Unternehmen, das vor Kurzem Easy WMS in seinen Einrichtungen implementiert hat.

Außerdem erfordert ein Lager, in dem die Just-in-Case-Bestandsstrategie angewendet wird, ein spezifisches Layout, das die Lagerung der Ware ermöglicht, ohne die Kommissionierungsstrecken der Lagerarbeiter zu stören. Dies ist zum Beispiel der Fall beim Unternehmen Alliance Healthcare, dessen neues Lager von Mecalux ausgestattet wurde. Das Logistikzentrum verfügt über Stückgut-Durchlaufregale, die die Ware verdichten und die Lagerung von Reservebehältern in den Kanälen selbst ermöglichen. Außerdem sind diese Regale im oberen Bereich mit herkömmliche Palettenregalen verbunden, in denen diese Artikelarten auf Paletten gelagert werden.

In jedem Fall ist es möglich, die Kommissionierung zu automatisieren, um die Lagerpositionen zu versorgen, was insbesondere in Lagern mit einem hohen Volumen an Warenein- und ausgängen nützlich ist. Unternehmen, die die Just-in-Case-Methode verwenden und eine hohe Produktnachfrage haben, können automatische Transport- und Lagersysteme nutzen. In Kombination mit einem LVS ermöglichen diese Systeme  eine umfassende Bestandskontrolle und beschleunigen gleichzeitig den Warenfluss im Lager.

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Das neue Logistikzentrum von Alliance Healthcare verfügt über einen palettierten Sicherheitsbestand im oberen Teil der Stückgut-Durchlaufregale

Eine Logistik, die auf alle Fälle vorbereitet ist

Mit Just-in-Case werden Szenarien, die bei Unterbrechungen der Lieferkette zu Schwierigkeiten führen können, vermieden. Mit dieser Logistikstrategie ist es möglich, Bestand verfügbar zu haben, um jede Bestellung zu liefern, auch wenn sich hierdurch die Lagerkosten erhöhen. Obwohl Just-in-Time diese Kosten erheblich reduziert, setzt es das Unternehmen der Gefahr aus, dass jeglicher logistischer Zwischenfall der Beziehung zwischen ihm und dem Kunden schaden könnte. Aus diesem Grund gibt es keine Strategie, die besser als die andere ist.

Kurz gesagt, gibt es kein ideales Produktions- und Lagersystem, vielmehr hängt die Logistikstrategie jedes Unternehmens von seiner Planung und den Eigenschaften seiner Bestände ab: der Art des Produkts oder des Verbrauchers, den Einrichtungen usw. Die Organisation muss die Vorteile und Gefahren, die die unterschiedlichen Produktions- und Lagersysteme für ihre Logistikstrategie bedeuten, gegeneinander abwägen.

Wenn Sie nicht wissen, wie Sie Ihre Bestandsverwaltung angehen sollen, setzen Sie sich mit Mecalux in Verbindung. Das Unternehmen ist ein Komplettanbieter von Logistiksystemen: von einem leistungsstarken Lagerverwaltungssystem wie Easy WMS bis hin zu Verdichtungslösungen, mit denen Sie die Just-in-Case-Methode effizient umsetzen können.