Bei der Bestimmung des Meldebestands muss die verfügbare Lagerkapazität berücksichtigt werden

Bestellpunktverfahren mit Meldebestand: Auswirkungen auf die Lagerverwaltung

11 Oktober 2019

Der Meldebestand (auch: reorder Point - ROP oder Bestellpunkt) bezeichnet den Bestand, bei dessen Erreichen das Unternehmen eine Bestellung bei seinen Lieferanten auslösen muss, um eine Bestandsunterdeckung zu vermeiden.

Bei der Organisation der Bevorratung des Lagers müssen zwei grundlegende Fragen beantwortet werden: Wann soll eine neue Bestellung aufgegeben werden? Und: wie viel soll von jedem Produkt bestellt werden?

Die Antworten richten sich nach dem jeweils angewandten Konzept der Bestandsführung. In diesem Artikel betrachten wir das Bestellpunktverfahren, bei dem mit einem Meldebestand gearbeitet wird.

Deterministische oder wahrscheinlichkeitsbasierte Konzepte der Bestandsverwaltung

Bei den Berechnungen im Bereich des Bestandsmanagement eines Unternehmens spielen die Art der Nachfrage und ihre Schwankungen eine wesentliche Rolle. Es gibt zwei große Gruppen:

- Deterministische Bestandsführungsmethoden

Diese Methodik basiert auf der Annahme, dass die Nachfrage bekannt ist und eine konstante und damit vorhersehbare Verbrauchsmenge aufweist (wenn in Wirklichkeit immer unvorhergesehene Ereignisse eintreten). Dies wiederum kann statisch (zeitstabil) oder dynamisch (mit saisonalen Höhen und Tiefen) sein.

Das klassische Wilson-Modell, eine der ersten Methoden der Bestandsführung, würde sich in diesem Bereich befinden. Da es von einer konstanten unterjährigen Nachfrage und volumenunabhängigen Festpreisen ausgeht, ist es ein völlig deterministisches Modell.

Dies sind die gängigsten und am einfachsten zu implementierenden Modelle der Lagerbestandsführung, die allerdings auch am weitesten entfernt sind von der Komplexität der realen Nachfrage.

- Wahrscheinlichkeitsbasierte (oder stochastische) Bestandsführungsmethoden:

Bei diesen Konzepten gibt es keinen genauen oder konstanten Wert, der den Bedarf definiert, aber mittels Wahrscheinlichkeitsberechnungen können Berechnungen und Vorhersagen zum Bedarf gemacht werden, die im Laufe der Zeit auch variieren.

Diese Prognosen sind näher an der Realität, beinhalten aber komplexere Berechnungen, so dass in den entsprechenden Prognoseverfahren häufig spezielle Software eingesetzt wird.

Ebenso können Wahrscheinlichkeitsfunktionen, die vom Verkaufsverhalten ausgehen, ein konstantes Verhalten zeigen oder saisonale Schwankungen aufweisen.

Beide Arten der Nachfrageprognose, deterministisch oder wahrscheinlichkeitsbasiert, haben direkte Auswirkungen auf die Berechnung des Meldebestands.

Berechnung des Meldebestands für die Warenbeschaffung

Die Verwendung des Bestellpunktverfahrens mit einem festgelegten Meldebestand zielt darauf ab, eine Balance zwischen den Kosten für die Anschaffung der Waren und dem Risiko einer Bestandsunterdeckung herzustellen. Der Meldebestand kann regelmäßig (z. B. an einem bestimmten Wochentag) eingeplant oder einer kontinuierlichen Überprüfung unterzogen werden.

Diese zweite Option wird in der Regel gewählt, weil sie flexibler ist und die Heterogenität der gelagerten Produkte und die Variabilität der Nachfrage im Zeitablauf berücksichtigt.

Bei der Berechnung des Meldebestands sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Die Sicherheitsbestände sind so bemessen, dass zu keiner Bestandsunterdeckung kommt. Sie richten sich nach dem im Unternehmen vereinbarten Servicegrad.
  • Lead Time oder Durchlaufzeit: Das ist die Zeit, die ein Lieferant benötigt, um die Bestellung zu verwalten und die Ware zu versenden oder die Zeit, die für die Produktion der Ware benötigt wird. Wenn Bestellungen bei verschiedenen Lieferanten aufgegeben werden, müssen die Durchlaufzeiten als Ganzes berücksichtigt und ggf. mehrere Meldebestände (Bestellpunkte) festgelegt werden.
  • Erwarteter Verbrauch des Produkts in der entsprechenden Zeiteinheit (in der Regel Tage): Wie bereits erwähnt, können diese Prognosen auf deterministischen oder wahrscheinlichkeitsbezogenen Methoden basieren. In beiden Fällen ist er jedoch ein entscheidender Faktor bei der Berechnung des Meldebestands.

Die Formel für den Meldebestand lautet:

Meldebestand = Sicherheitsbestand + (Durchschnittsverbrauch x Durchlaufzeit oder Lieferzeit des Lieferanten)

Beispiel:

Ein Unternehmen hat einen Tagesbedarf (Montag bis Freitag) von 500 Einheiten. Die Lieferzeit des Lieferanten beträgt 5 Tage. Der Sicherheitsbestand dieser Referenz wird auf 100 Stück festgelegt. Die Berechnung des Meldebestands wäre:

Meldebestand = 100 + (500 x 5) = 2.600 Einheiten

Das Unternehmen muss also eine Bestellung auslösen, wenn der Bestand im Lager 2.600 Einheiten beträgt. Auf diese Weise wird der Bedarf während der Zeit gedeckt, die der Lieferant benötigt, um neue Waren zu senden.

Vereinfachte Darstellung des Meldebestands

Die Grafik zeigt die Bedeutung des Meldebestands in der Bestandsführung
Die Grafik zeigt die Bedeutung des Meldebestands in der Bestandsführung

Der Meldebestand aus Sicht des Lagers: Wie kann man seine Genauigkeit sicherstellen?

Meldebestände aktivieren im Bestellpunktverfahren die Nachschubpolitik des Unternehmens. Die Koordination zwischen den verfügbaren Beständen im Lager, der Bestellung und der anschließenden Warenannahme muss fließend sein, damit keine Ungleichgewichte entstehen, die die Lagerkapazität und die für den Bestand bestimmten Ausgaben gefährden.

Wie kann das Lager zur Genauigkeit der Berechnung des Meldebestands beitragen? Hier sind einige Strategien, die das Beschaffungsmanagement erleichtern:

- Zuverlässige Datenspeicherung des gelagerten Bestands

Jedes Lager führt eine computergestützte Bestandsaufzeichnung mit den Daten über die verfügbaren Waren. Im ERP fliessen diese und die Informationen aus den übrigen Logistikbereichen des Unternehmens zusammen.

Das Lager muss sicherstellen, dass die angezeigten Daten korrekt und auf dem neuesten Stand sind, um zu verhindern, dass der Meldebestand auf der Grundlage falscher Informationen berechnet wird, was zu gravierenden Fehlern führen kann.

Ein großer Vorteil eines LVS ist die kontinuierliche Bestandskontrolle, da dort alle Warenbewegungen in Echtzeit gespeichert werden, was die Planung der Meldebestände für Logistik- und Einkaufsleiter erheblich erleichtert.

Darüber hinaus unterstützt ein LVS wie Easy WMS bei periodischen Zählungen oder Inventuren den gesamten Prozess und stellt sicher, dass dieser in kürzester Zeit und mit maximaler Genauigkeit durchgeführt wird.

Automatische Systeme aktualisieren die Daten im LVS bei jeder Bewegung, was eine Grundvoraussetzung für die Ermittlung von Meldebeständen ist
Automatische Systeme aktualisieren die Daten im LVS bei jeder Bewegung, was eine Grundvoraussetzung für die Ermittlung von Meldebeständen ist

- Überwachung der Durchlaufzeiten von Lieferanten und im Lager

Wenn der Meldebestand erreicht und eine Bestellung aufgegeben wird, muss gewährleistet sein, dass in dem Zeitraum bis zur Lieferung dieser Bestellung der Bedarf im Lager gedeckt ist, um eine Out-of-Stock-Situation zu vermeiden. Für jede SKU gibt es einen Bestellpunkt mit einem festgelegten Meldebestand.

Die Kalkulation kann jedoch kompliziert sein, wenn das Unternehmen eine Multi-Vendor-Politik anwendet. Das bedeutet, um den Bestand einer Referenz aufzufüllen, werden Bestellungen bei verschiedenen Lieferanten aufgegeben. In der Regel zielt dies auf eine Optimierung des Einkaufs neuer Waren ab, und Lieferanten haben aufgrund ihrer Lage oft unterschiedliche Lieferzeiten und Preise.

In solchen Fällen muss die Berechnung des Bestellpunktes erweitert und an den Bedarf angepasst werden, z. B. durch Festlegen mehrerer Meldebestände:

  • Die erste Meldebestand würde an den Lieferanten mit einer längeren Lieferzeit, aber besseren Preisen gesendet (Kostensenkung ist in der Regel der Grund für diese Lieferantenauswahl).
  • Der zweite Meldebestand würde an den Lieferanten mit der kürzesten Lieferzeit (kann ein lokaler Lieferant sein) gesendet. Dies geschieht, wenn das Risiko einer Bestandsunterdeckung am größten ist.

Außerdem müssen bei der Festlegung dieser Meldebestände auch die Einsatzzeiten berücksichtigt werden, die das Lager für die Verwaltung des Eingangs und des Nachschubs von Neuware benötigt.

Wenn Fristen sich erheblich verkürzen, ist die Lagerverwaltungssoftware entscheidend, um Out-of-Stock-Situationen zu verhindern. Denn das System:

  • hilft bei der Priorisierung von Aufgaben auf der Grundlage logistischer Parameter wie Transportwege oder Lieferzeiten.
  • erleichtert die Organisation von Wareneingang, Qualitätskontrolle und Bestandsaufstockung.
  • ermöglicht direkte Nachschubstrategien für die Kommissionierung oder das Cross-Docking.

Anpassungsfähigkeit und Schnelligkeit - Basis für eine optimale Lagerverwaltung

Der Meldebestand löst den Nachschub des Lagers aus. Beim Nachschub von Waren ist es wichtig, die richtigen Zeiten und Mengen so zu verwalten, dass keine Überbestände entstehen, um das Lager nicht unnötig zu belasten.

Lagerverwaltungssysteme spielen eine wichtige Rolle, indem sie die Anpassungsfähigkeit der Arbeitsmethode und die Reaktionsgeschwindigkeit ermöglichen.

Dank Modulen wie der Supply Chain Analytics Software können Lager- und Logistikmanager den Status jedes Vorgangs visualisieren, einschließlich der Informationen, die sich auf den Meldebestand beziehen, wie zum Beispiel: das Kundenpanel (Prozentsatz der Referenzen mit Lagerbestand, Prozentsatz der ausstehenden Bestellungen, pünktliche Lieferungen, Zykluszeiten) oder die Kapazität des Lagers (Nutzung der Standorte, Belegungsvolumen nach Standort, Standorte nach Artikelart usw.).

Wenn Sie mehr über die Vorteile einer Lagerverwaltungssoftware erfahren wollen, nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir zeigen Ihnen eine detaillierte Demoversion der Mecalux Easy WMS-Funktionalitäten.