Der Logistikimmobilienmarkt ist das Segment des Immobiliensektors, das die Vermietung und den Verkauf von Lagern umfasst.

Der Logistikimmobilienmarkt angesichts knapper städtischer Industrieflächen

23 Juni 2020

Der Logistikimmobilienmarkt stellt sich den Herausforderungen, die durch den Aufschwung des E-Commerce und der Omnichannel-Strategie entstanden sind. Aufgrund der Knappheit verfügbarer Industrieflächen und des Managements der Letzten Meile sind urbane Distributionszentren erforderlich, die Blitz-Lieferungen innerhalb von 24 Stunden ermöglichen.

Aus diesem Grund erlebt der Markt für Gewerbeimmobilien ein goldenes Zeitalter: Eine Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt, dass die Nachfrage nach Lagern bis 2023 um fast 80 Millionen Quadratmeter wachsen wird.

In diesem Artikel wird das Konzept der Logistikimmobilien vorgestellt und erläutert, wie sich der Sektor an die Herausforderungen des E-Commerce und allgemein an die technologischen Anforderungen der Logistik 4.0 angepasst hat.

Was sind Logistikimmobilien? Die Trends im Sektor

Der Begriff Logistikimmobilienmarkt bezieht sich auf das Segment des Immobiliensektors, das sich der Vermietung und dem Verkauf von Lagern, Industriegebäuden und Gewerbeflächen widmet.

Der Aufschwung des E-Commerce hat sich direkt auf den Markt für Logistikimmobilien ausgewirkt. Blitz-Lieferungen und das logistische Management der Letzten Meile haben dazu geführt, dass Lager näher zu den Städten verlagert wurden, um einen schnellen und effizienten Logistikservice anbieten zu können.

Tatsächlich zeigt eine Umfrage des internationalen Beratungsunternehmens Aberdeen Standard, dass der Standort eines Lagers zu einem der wichtigsten Faktoren in der Logistik eines Unternehmens wird. So geben fast 60 % der befragten Logistikleiter an, dass dies ein entscheidender Aspekt sein wird.

Darüber hinaus sind einige der Trends, die Logistikimmobilien in den kommenden Jahren prägen werden, bereits jetzt in Sicht: Hochregallager, XL-Lagerhallen mit über 50.000 Quadratmetern, die normalerweise weit von Städten entfernt liegen, sowie kleinere Lager in der Nähe von Großstädten, wobei der Extremfall hier die Mini-Logistik-Hubs sind.

Urbane Logistik: Symbiose zwischen Unternehmen

Der Anschluss an Knotenpunkte ist für die Warenlieferung unerlässlich. Eine klassische Lösung des urbanen Logistikimmobilienmarkts ist daher, die logistischen Aktivitäten in Logistikzentren zusammenzufassen. Dafür werden spezifische Bereiche in Städten, in denen Unternehmen der Logistikbranche nebeneinander bestehen, eingerichtet. Der Hauptvorteil der Ansiedlung eines Industrielagers in diesen Gebieten besteht darin, dass Unternehmen Ressourcen für Transport und Lagerung gemeinsam nutzen können, mit dem Ziel, ihre Kosten zu senken und Zugang zu besseren Infrastrukturen zu erhalten.

Aufgrund der wachsenden Nachfrage nach städtischen Industrieflächen ist der Preis pro Quadratmeter gestiegen
Aufgrund der wachsenden Nachfrage nach städtischen Industrieflächen ist der Preis pro Quadratmeter gestiegen

Angesichts der zunehmenden Flächenknappheit sind jedoch innovative Lösungen wie z. B. mehrstöckige Logistikplattformen entstanden. Sie stellen eine Weiterentwicklung gemeinsamer Logistikplattformen dar, denen mehrere Anlagen zur besseren Landnutzung hinzugefügt wurden. Auf diese Weise teilen sich verschiedene Kunden die gleiche Anlage, wobei jedem von ihnen je nach Ebene bestimmte Ladedocks zugewiesen werden.

Andererseits ziehen Logistikimmobilien immer mehr in die Städte, um die Lieferzeiten zu verkürzen. Der neueste Trend hierbei sind Micro-Fulfillment-Lager. Es handelt sich dabei um Lager von geringer Komplexität, die sich normalerweise im Stadtzentrum befinden, um die logistische Letzte Meile effizient zu verwalten.

Logistikimmobilien: Lösungen für die Flächenknappheit

Angesichts des abnehmenden Angebots an Industrieflächen erlebt dieser Sektor derzeit einen Preisanstieg, der Unternehmen dazu zwingt, Maßnahmen zur Optimierung der bereits vorhandenen Flächen zu ergreifen. Die folgenden Lösungen eignen sich am besten, um mehr Lagerkapazität zu erreichen:

  • Kompaktlagerlösungen: Im Gegensatz zu Lagersystemen mit direktem Zugriff auf die Waren nutzen Einfahr- bzw. Durchfahrregale die maximale Lagerfläche aus und reduzieren dabei die Anzahl der Gänge. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn im Lager viele Paletten mit wenigen Artikelarten vorhanden sind, besonders wenn diese eine nur geringe Rotation aufweisen.
  • Hochregallager: Da der Erwerb von mehr Grundfläche nicht möglich ist oder übermäßige Kosten vermieden werden sollen, tendieren Unternehmen dazu, Anlagen in der Höhe zu erweitern, um die nutzbare Lagerfläche zu vergrößern. In diesem Fall werden automatische Lager empfohlen, die effizient auf die Arbeitszyklen in Regalen reagieren und eine Höhe von mehr als 40 Metern erreichen können.
  • Lagerverwaltungssystem: Ein LVS gewährleistet die maximale Auslastung der Stellplätze, indem es jedem Produkt eine Lagerposition nach bestimmten Merkmalen wie Produktrotation, Verfallsdatum oder Kommissionierroute zuweist. Dank dieser Funktionalität gestaltet sich die Lagerkapazität der Einrichtung rentabler und der verfügbare Platz in den Regalen wird intelligenter genutzt.

Ein neues Lagermodell

Neue Verbrauchertrends haben Gewerbeflächen wertvoller denn je gemacht. Angesichts des Anstiegs des Quadratmeterpreises entscheiden sich viele Unternehmen für Lösungen zur Optimierung der Lagerfläche.

Dabei hat sich die Technologie als der beste Partner erwiesen, um den Herausforderungen, mit denen sich Logistikimmobilien heutzutage konfrontiert sehen, zu begegnen. Neben der Implementierung von Lagerverwaltungssystemen, die die Bestände zwischen den verschiedenen Anlagen des Unternehmens koordinieren, kommt nun der Automatisierung von Lagern eine größere Bedeutung zu.

Nicht umsonst haben sich Lösungen wie Micro-Fulfillment-Lager, also auf die Zusammenstellung und den Versand von Aufträgen in Rekordzeit spezialisierte Lager, als Hilfsmittel etabliert, um einen schnellen und zeitgemäßen Logistikservice zu gewährleisten.