Eine Abholstelle ist ein physischer Ort, an dem Kunden ihre Bestellungen abholen und in einigen Fällen auch versenden oder zurückgeben

Die Abholstelle für eine flexiblere und nachhaltigere Logistik

12 Mai 2026

Eine Abholstelle ist eine wichtige Lieferoption in der heutigen Logistik, die sich insbesondere durch das Wachstum des E-Commerce, Omnichannel-Vertrieb und die neuen Anforderungen der Endverbraucher auszeichnet. Durch die Abholstelle können Kunden ihre Bestellungen an strategisch günstigen Orten außerhalb ihres Wohnortes abholen. Dadurch wird die Komplexität der letzten Meile vereinfacht und sowohl Unternehmen als auch Nutzern mehr Flexibilität geboten.

In diesem Beitrag erklären wir, was Abholstellen sind, wie sie sich entwickelt haben, welche Arten es gibt und welche Vorteile sie aus logistischer Sicht bieten. Wir befassen uns auch eingehend damit, wie dieser Service vom Lager aus organisiert wird und welche Faktoren für seine korrekte Umsetzung zu berücksichtigen sind.

Was ist eine Abholstelle? Hintergrund und Entwicklung

Eine Abholstelle, auch bekannt als Pick-up-Point, ist ein physischer Standort, an dem Kunden ihre Bestellungen abholen und in bestimmten Fällen auch zurückgeben können. Dieser Ort kann ein Einzelhandel-/ Partnergeschäft, ein Postamt, ein automatisches Schließfach oder sogar ein städtisches Lager sein. Im Gegensatz zur Hauszustellung entscheidet der Empfänger, wann er sein Paket abholen möchte. Dies kann innerhalb einer festgelegten Zeitspanne oder bei intelligenten Schließfächern auch unabhängig davon erfolgen.

Die Abholstellen sind eine Antwort auf die Herausforderungen der letzten Meile. Dazu gehören fehlgeschlagene Lieferungen, hohe Kosten, Staus in den Städten und steigende Erwartungen an Schnelligkeit und Komfort. Angesichts des Wachstums des E-Commerce haben sich diese Herausforderungen verschärft und zu flexibleren und nachhaltigeren alternativen Liefermodellen geführt. Laut McKinsey gewinnt die „Out-of-Home“-Lieferung – die Abholungen und Schließfächer umfasst – als Alternative zur Hauszustellung vor allem in städtischen Gebieten an Bedeutung. Sie erlaubt nämlich die Bündelung von Lieferungen, verbessert die betriebliche Effizienz und bietet den Verbrauchern mehr Komfort.

Arten von Abholstellen oder „Pick-up-Points“

Es gibt verschiedene Arten von Abholstellen, die an unterschiedliche logistische Anforderungen, Servicegrade und Kundenprofile angepasst sind. Jede Variante entspricht einem konkreten Betriebsmodell innerhalb der Vertriebsstrategie.

Click-and-Collect

Beim Click-and-Collect-Modell tätigt der Kunde den Kauf online und holt die Bestellung in einem Geschäft des Unternehmens ab. Aus logistischer Sicht verbindet dieses System den digitalen Kanal mit der physischen Verkaufsstelle, indem es den Bestand des Geschäfts nutzt oder Bestellungen aus dem Lager konsolidiert.

Durch diese Art von Abholstellen werden die Versandkosten gesenkt, der Kundenverkehr im Geschäft erhöht und die Integration einer Omnichannel-Strategie erleichtert, da das Geschäft als logistischer und kommerzieller Knotenpunkt fungiert.

Automatische Schließfächer

Automatische Schließfächer befinden sich in stark frequentierten Bereichen wie Bahnhöfen, Parkhäusern, Einkaufszentren oder Wohngebieten. Der Kunde erhält einen Code und Anweisungen zum Öffnen des zugewiesenen Fachs und zum Abholen seines Pakets.

Vom logistischen Standpunkt aus gesehen ermöglichen Schließfächer eine Konzentration der Lieferungen, die Reduzierung fehlgeschlagener Zustellversuche und eine Verlängerung der Verfügbarkeitszeiten für den Kunden. So wird das Kundenerlebnis verbessert, ohne die Komplexität des Vertriebs zu erhöhen. Sie sind besonders nützlich in städtischen Umgebungen und bei Last-Mile-Strategien.

Postämter und Postdienstleister

Postämter und Postdienstleister bilden konsolidierte Netzwerke von Abholstellen mit einer flächendeckenden Reichweite, die sogar Gebiete mit geringer Bevölkerungsdichte erreichen.

Dieses Modell stützt sich für Unternehmen und Logistikdienstleister auf bereits vorhandene Infrastrukturen für die Endauslieferung und sorgt für standardisierte Prozesse, ohne dass dafür ein eigenes Netzwerk aufgebaut werden muss.

Verbundene Geschäfte

Die verbundenen Geschäfte sind lokale Geschäfte/ Nachbarschaftsläden oder unabhängige Einrichtungen, die als Abholstellen für einen oder mehrere Logistikdienstleister fungieren. Mit diesem Modell wird das Liefernetzwerk erweitert, ohne dass Investitionen in die eigene Infrastruktur erforderlich sind.

Die verbundenen Geschäfte stärken nicht nur die Nähe zum Endkunden, sondern verbessern auch den städtischen Vertrieb und führen zu nachhaltigeren Modellen, indem Lieferungen gebündelt und individuelle Fahrten eingeschränkt werden.

Je nach logistischen Anforderungen und Kundenprofil gibt es verschiedene Arten von Abholstellen
Je nach logistischen Anforderungen und Kundenprofil gibt es verschiedene Arten von Abholstellen

Welche Vorteile bieten sie für das Unternehmen?

Abholstellen bieten Unternehmen und Logistikdienstleistern operative, wirtschaftliche und strategische Vorteile:

  • Kostensenkung auf der letzten Meile. Durch die Bündelung von Lieferungen an einem einzigen Ort werden Einzelzustellungen vermieden, der Transport vereinfacht und die Kosten pro Paket gesenkt.
  • Geringere Anzahl fehlgeschlagener Lieferungen. Da es sich um Orte mit festen Öffnungszeiten oder dauerhaftem Zugang handelt, gibt es weniger Zweitbesuche, Rücksendungen und Vorfälle im Zusammenhang mit Nichtlieferungen.
  • Höhere Effizienz bei der Routenplanung und der kapillare Distribution. Die Routen werden vorhersehbarer, was die Optimierung von Ladungen, Frequenzen und Fahrstrecken erleichtert – insbesondere in komplexen städtischen Umgebungen.
  • Skalierbarkeit des Services. Unternehmen können ihre geografische Reichweite erweitern und Nachfragespitzen auffangen, ohne ihre Flotte, ihr Personal oder ihre Infrastruktur proportional vergrößern zu müssen, indem sie sich auf Netzwerke von Abholstellen zurückgreifen, die die Lieferungen bündeln.
  • Verbesserung der Nachhaltigkeit. Durch den Rückgang an Fahrten, Staus und CO₂-Emissionen werden nachhaltigere Vertriebsmodelle gefördert, die besser auf die kapillare Distribution abgestimmt sind.

Welche Vorteile bietet das dem Kunden?

Die Abholstellen verbessern aus Sicht des Endkunden das Einkaufserlebnis beim Erhalt der Bestellung:

  • Zeitliche Flexibilität. Der Kunde kann seine Bestellung zu einem passenden Zeitpunkt abholen – entweder innerhalb der Öffnungszeiten der Abholstelle oder, im Falle einiger Schließfächer, jederzeit.
  • Mehr Kontrolle über die Lieferung. Durch die Wahl der Abholstelle muss der Nutzer zum Zeitpunkt der Zustellung nicht zu Hause sein, und die mit der herkömmlichen Zustellung verbundene Unsicherheit wird vermieden.
  • Weniger fehlgeschlagene Lieferungen und unnötige Wartezeiten. Die Bestellung bleibt bis zur Abholung verfügbar, wodurch Zweitlieferungen, Benachrichtigungen und Lieferterminverschiebungen vermieden werden können.
  • Mehr Sicherheit und Datenschutz. Durch Abholstellen wird das Risiko von Verlusten, Diebstählen oder Lieferungen an Dritte gemindert – insbesondere in städtischen Gebieten.
  • Integration in den Alltag. Viele Abholstellen befinden sich an Durchgangsorten oder in bekannten Geschäften, sodass die Abholung der Bestellung mit anderen alltäglichen Aktivitäten verknüpft werden kann.
  • Bessere Omnichannel-Erfahrung. Die Abholstelle fügt sich nahtlos in das Omnichannel-Modell ein, bietet dem Kunden mehr Lieferoptionen und stärkt das Gefühl von Service und Komfort.

Wie funktionieren sie aus logistischer Sicht?

Im Lager werden die Bestellungen für Abholstellen zusammen mit den übrigen Bestellungen kommissioniert und konsolidiert. Dabei gelten dieselben Arbeitsabläufe und Effizienzkriterien, um Zeit und Ressourcen zu optimieren. Das Lagerverwaltungssystem (LVS) organisiert die Kommissionierung, gruppiert Bestellungen nach ihrem Bestimmungsort und stimmt ihren Versand mit dem Vertriebsnetz ab.

Eine der Besonderheiten dieses Modells ist die Flexibilität bei der Zuweisung der Abholstelle. Diese kann in verschiedenen Phasen des Logistikprozesses definiert werden – während der Kommissionierung, bei der Konsolidierung oder sogar nachdem die Bestellung bereits unterwegs ist. Dies hängt von der Verfügbarkeit des Netzwerks oder von Änderungen in der Auswahl des Kunden ab. Wenn sich das Ziel ändert, aktualisiert das System die Bestellinformationen und erstellt ein neues Logistiketikett, das das Paket ohne Unterbrechung des Betriebsablaufs umleitet.

Sobald das Paket an der zugewiesenen Abholstelle abgegeben wurde, wird es registriert und steht zur Abholung bereit. Der Kunde erhält eine Benachrichtigung mit der festgelegten Abholfrist. Mit diesem Modell kann das Unternehmen Lieferungen bündeln, Zwischenfälle auf der letzten Meile reduzieren sowie die Kontrolle und Effizienz des Transports verbessern.

Wie richtet man einen Service für Abholstellen ein?

Für die Einführung eines Services für Abholstellen ist eine effektive Abstimmung zwischen den Informationssystemen (ERP, SGA, TMS und E-Commerce-Plattformen), den Lagern und dem Vertriebsnetz erforderlich. Aus logistischer Sicht spielt ein Lagerverwaltungssystem (LVS) eine zentrale Rolle. Es ermöglicht die Abwicklung von Omnichannel-Bestellungen, gewährleistet die Rückverfolgbarkeit von Sendungen und koordiniert die Vorbereitung und den Versand von Bestellungen an Abholstellen.

LVS-Lösungen wie Easy WMS von Mecalux zentralisieren diesen Vorgang mithilfe spezifischer Module wie Multi-Carrier Shipping Software, die die Integration in Transportnetzwerke und Vertriebsplattformen erleichtern. Durch diese Integrationen können Informationen zu Zielorten, Dienstleistungen und Lieferfristen ausgetauscht und gleichzeitig die Kennzeichnung und der Versand der Bestellungen an Abholstellen koordiniert werden. Gleichzeitig ermöglicht die Verbindung mit Systemen wie Easy DOM die Festlegung logistischer Regeln je nach Bestimmungsort. So können beispielsweise Sendungen an bestimmte Abholstellen priorisiert, Bestellungen mit gleichem Bestimmungsort zusammengefasst oder je nach Kundentyp unterschiedliche Bedingungen angewendet werden, wodurch dieses Modell in eine einheitliche Omnichannel-Strategie passt.

Die Abholstellen müssen korrekt im System erfasst sein und genaue Angaben zu Öffnungszeiten, Kapazitäten und Verwaltungsvorschriften enthalten. Bei Geschäften, die als verbundene Standorte fungieren, ist die Registrierung in der Regel unkompliziert und beschränkt sich auf die Erfüllung grundlegender Anforderungen in Bezug auf verfügbaren Platz, Barrierefreiheit und Kundenservice.

Ein Lagerverwaltungssystem ermöglicht die Abwicklung von Bestellungen für Abholstellen
Ein Lagerverwaltungssystem ermöglicht die Abwicklung von Bestellungen für Abholstellen

Die Abholstelle als wichtiger Bestandteil des Omnichannel-Konzepts

Die Abholstelle hat sich als strukturelles Element innerhalb der Logistikstrategien für die letzte Meile etabliert – vor allem angesichts des Wachstums des E-Commerce und des städtischen Vertriebs. Durch die Integration in Logistiknetzwerke und Omnichannel-Modelle hat sich die Art und Weise, wie die Endauslieferung konzipiert wird, verändert und an die aktuellen Konsumgewohnheiten angepasst. Für Unternehmen und Logistikdienstleister ist dieses Modell ein Schritt hin zu einer flexibleren, nachhaltigeren und auf die neuen Marktanforderungen ausgerichteten Logistik.

Neue Einträge