Mit IRA in der Logistik lassen sich Prozesse optimieren und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit sowie die Rentabilität steigern

IRA: Was ist diese Logistikkennzahl und wie unterscheidet sie sich von der LRA?

14 Jul 2026

Die IRA ist eine äußerst wichtige Kennzahl für die optimale Planung und Organisation des Arbeits- und Materialflusses sowie der logistischen Abläufe. Tatsächlich ist die Lagerverwaltung das Herzstück eines Unternehmens, da sie sich auf die anderen Aktivitäten im Lager auswirkt. Durch eine effektive Bestandskontrolle lassen sich die Rückverfolgbarkeit der Produkte, die Ermittlung von Mehrkosten sowie die Aufdeckung von Fehlern und Ineffizienzen erleichtern.

In diesem Artikel erläutern wir, was dieser KPI ist, wozu er dient und wie er berechnet wird. Außerdem untersuchen wir, wie er in einem Lager verbessert werden kann, und schauen uns ein praktisches Beispiel an.

Was versteht man unter IRA (Genauigkeit der Bestandsaufnahme)?

Die IRA (Inventory Record Accuracy) steht für die Genauigkeit der Bestandsaufnahme und ist eine Kennzahl zur Messung der Übereinstimmung zwischen dem im System eines Unternehmens erfassten Bestand und dem tatsächlichen Bestand. Diese Zahl gibt an, inwieweit die Aufzeichnungen der tatsächlichen Situation entsprechen. Je höher die Genauigkeit der Bestandsaufnahme ist, desto mehr kann das Unternehmen in die verfügbaren Informationen Vertrauen, um operative und strategische Entscheidungen zu treffen.

Die Nutzung von IRA in der Logistik gewinnt zunehmend an Bedeutung, da sich damit Prozesse optimieren und die Kundenzufriedenheit steigern lassen. Durch die Aufrechterhaltung eines hohen IRA-Wertes lassen sich Fehlbestände vermeiden, Fehler bei der Kommissionierung reduzieren und die Einkaufs- und Nachschubplanung optimieren.

Wie wird die IRA berechnet? (Formel)

Zur Berechnung der IRA muss zunächst eine physische Bestandsaufnahme durchgeführt werden. Das bedeutet, dass die Bestände, ihre Mengen und Eigenschaften werden mit den Angaben im Buchhaltungssystem oder in der Datenbank des Unternehmens abgeglichen. Durch diesen Prozess lassen sich mögliche Abweichungen zwischen den verbuchten Daten und dem tatsächlichen Lagerbestand aufdecken und gleichzeitig Fehler beim Wareneingang, bei der Lagerung oder bei der Kommissionierung erkennen.

Die IRA wird durch den Vergleich der Gesamtmenge des Lagerbestands mit den Angaben des Bestandsverwaltungssystems des Unternehmens (Lagerverwaltungssystem oder ähnliche Tools) ermittelt. Die Differenz zwischen diesen beiden Größen bestimmt die Genauigkeit in Prozent. Je geringer die Abweichung zwischen diesen beiden Zahlen ist, desto genauer ist die Bestandsaufnahme. Die IRA-Formel lautet folgendermaßen:

IRA (%) = (Korrekte Einheiten/Gesamtzahl der geprüften Einheiten) x 100

Als korrekte Einheiten gelten dabei diejenigen, deren im System erfasste Menge vollständig mit der physischen Zählung übereinstimmt. Die Gesamtzahl der überprüften Einheiten entspricht der Gesamtzahl der während der Zählung kontrollierten Einheiten.

Ein angemessenes IRA-Niveau in einem Lager liegt in der Regel zwischen 95 und 100 %, während es in moderneren Logistikumgebungen Werte von fast 98 % oder sogar 99 % erreichen kann. Dies spiegelt eine größere Übereinstimmung zwischen dem verbuchten und dem tatsächlichen Bestand wider.

Ein praktisches Beispiel für die Durchführung einer IRA

Nehmen wir als Beispiel an, dass ein Lager in seinem Lagerverwaltungssystem (LVS) insgesamt 100 Einheiten eines bestimmten Produkts erfasst. Zur Überprüfung der Richtigkeit der Bestandsaufzeichnungen führt das Personal eine physische Bestandsaufnahme durch und zählt die an den entsprechenden Stellplätzen gelagerten Einheiten. Nach der Zählung stellt sich heraus, dass es tatsächlich 96 Einheiten sind.

Wendet man die Formel zur Bestandsgenauigkeit an, ergibt sich folgende Berechnung:

IRA (%) = (96/100) × 100 = 96 %

Dies bedeutet, dass die Bestandsaufnahme eine Genauigkeit von 96 % aufweist. Bei der Auswertung der Ergebnisse zeigt sich, dass zwischen dem im System erfassten Bestand und dem tatsächlichen Bestand eine Differenz von 4 Einheiten besteht. Dies kann auf Fehler bei der Dateneingabe oder auf Warenbewegungen zurückzuführen sein, die nicht ordnungsgemäß aktualisiert wurden.

Welchen Zweck erfüllt die IRA als KPI in der Bestandsverwaltung?

Die IRA-Kennzahl ist ein wichtiger KPI für die Bestandsverwaltung, da damit die Zuverlässigkeit der Systemdaten im Vergleich zum physischen Lagerbestand gemessen werden kann. Eine hohe Bestandsgenauigkeit bedeutet, dass die Sollbestände mit den Istbeständen übereinstimmen. Dies ermöglicht eine präzisere Planung von Einkäufen, Nachschub und Kommissionierung.

Ein hoher IRA-Wert bedeutet, dass die theoretischen Bestände mit den tatsächlichen Beständen übereinstimmen
Ein hoher IRA-Wert bedeutet, dass die theoretischen Bestände mit den tatsächlichen Beständen übereinstimmen

Diese Kennzahl hilft zudem bei der Erkennung von Fehlern in Prozessen wie dem Wareneingang, der Lagerung oder der Kommissionierung. Durch die Aufrechterhaltung einer hohen IRA lassen sich Fehlbestände vermeiden, Überbestände abbauen und der Kundenservice verbessern. Ebenso ermöglicht der Zugriff auf zuverlässige Daten eine sicherere Entscheidungsfindung in logistischen und finanziellen Belangen.

Letztendlich dient die IRA in der Logistik als Gradmesser für die Effizienz der Bestandsverwaltung. Wenn die Buchbestände und die physische Bestandsaufnahme übereinstimmen, kann das Unternehmen seine Abläufe optimieren, die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen verbessern und eine bessere Kontrolle über den verfügbaren Lagerbestand gewährleisten. Werden diese Abweichungen hingegen ignoriert, können sich die Kosten um bis zu 95,3 % erhöhen. Dies geht aus einer Studie hervor, die von Fabian Akkerman, Dennis Prak und Martijn Mes, Professoren an der Universität Twente (Niederlande), durchgeführt wurde.

Probleme aufgrund eines niedrigen IRA-Wertes

Ein niedriger IRA-Wert bedeutet, dass die Bestandsaufnahme nicht mit der tatsächlichen Bestandslage im Lager übereinstimmt. In diesem Fall sind zwei Szenarien denkbar:

  • Der Buchbestand ist höher als der tatsächliche Bestand. Wenn die im System erfasste Menge größer ist als die Anzahl der Einheiten im Lager, läuft das Unternehmen Gefahr eines sogenannten Fehlbestands. Das Unternehmen kann also nicht auf Kundenaufträge reagieren, weil es nicht über die gewünschten Artikel in der gewünschten Menge zu den gewünschten Bedingungen verfügt und keine genauen Bestandsdaten vorliegen.
  • Der Buchbestand ist geringer als der tatsächliche Bestand. Wenn die erfasste Produktmenge geringer ist als der tatsächliche Lagerbestand, kann dies negative Folgen haben, da dies zu einem möglichen Anstieg der Lagerkosten, einer Verschlechterung der Ware oder einer Verringerung der Gewinnspannen führen kann.

Unterschiede zwischen IRA und LRA

Es ist nicht nur wichtig zu verstehen, was die Bestandsgenauigkeit ist, sondern auch den Unterschied zwischen IRA und LRA zu kennen – zwei Kennzahlen, die in der Logistik zur Bewertung der Zuverlässigkeit von Lagerdaten verwendet werden. Während die IRA die Übereinstimmung zwischen dem Buchbestand und dem physischen Bestand misst, konzentriert sich die LRA auf die Überprüfung, ob sich die Produkte an den vom System zugewiesenen Stellplätzen befinden.

Im Falle der IRA werden mit dieser Kennzahl Abweichungen zwischen den verbuchten und den tatsächlichen Beständen festgestellt. Dadurch lassen sich Fehler bei Vorgängen wie dem Wareneingang, der Lagerung oder der Kommissionierung leichter identifizieren.

Die LRA im Bereich Logistik (Genauigkeit der Stellplatzerfassung) prüft ihrerseits, ob die im System erfassten Produkte an den richtigen Stellen im Lager gelagert sind. Zu diesem Zweck wird ein Abgleich vorgenommen, d. h. die im System gespeicherten Informationen werden mit der physischen Überprüfung der Stellplätze im Rahmen von Inspektionen oder Bestandsaufnahmen verglichen.

Während sich die IRA also auf die Bestandsmenge konzentriert, zielt die LRA auf die korrekte Ortung der Produkte ab. Somit ergänzen sich beide Kennzahlen, um die Bestandskontrolle und die Zuverlässigkeit der Lagerdaten zu verbessern.

Wie lässt sich die IRA in einem Lager verbessern?

Die beste Methode zur Bestandsüberwachung und zur Gewährleistung eines präzisen Lagerbestands ist der Einsatz eines Lagerverwaltungssystems wie Easy WMS von Mecalux. Diese Softwareprogramme verfügen über fortschrittliche Funktionen für die Bestandsverwaltung und bieten eine lückenlose Transparenz und Rückverfolgbarkeit der Bestände. Dadurch kann der Logistikverantwortliche in Echtzeit auf verlässliche Informationen zum aktuellen Lagerbestand zugreifen.

Darüber hinaus führt der Einsatz von intralogistischen Automatisierungslösungen – wie automatische Lagersysteme oder Fördersysteme – zu einer Verringerung menschlicher Fehler und einer besseren Rückverfolgbarkeit der Abläufe, was sich positiv auf die Bestandsgenauigkeit auswirkt.

Darüber hinaus erleichtert ein LVS wie Easy WMS die Durchführung von physischen Bestandsaufnahmen, eine grundlegende Aufgabe für die Berechnung der IRA. Das System kann automatisch Inventuranforderungen generieren und die erforderlichen Aufgaben erstellen, damit die Lagermitarbeiter bestimmte Stellplätze oder Behälter überprüfen können. So erhält das Personal an ihren Terminals genaue Anweisungen, um eine Bestandsaufnahme der im Lager vorhandenen Waren durchzuführen und diese mit den Systemdaten abzugleichen.

Die Einführung einer LVS ermöglicht eine permanente Bestandskontrolle
Die Einführung einer LVS ermöglicht eine permanente Bestandskontrolle

Wird z. B. die manuelle Bestandskontrolle mit Excel durchgeführt, müssen die Lagermitarbeiter Bestandsänderungen manuell aktualisieren, was die Fehlerwahrscheinlichkeit erhöht. Im Gegensatz dazu erfassen Lagerverwaltungssysteme wie Easy WMS von Mecalux Warenbewegungen automatisch, sobald die Lagermitarbeiter Vorgänge im Lager ausführen. Dies geschieht beispielsweise durch das Scannen von Barcodes oder die Bestätigung von Aufgaben über Funkterminals oder RFID-Lesegeräte, wodurch die manuelle Dateneingabe in das System auf ein Minimum reduziert wird.

Die Bedeutung der IRA für eine effiziente Lieferkette

Eine Verbesserung der Bestandsgenauigkeit wirkt sich positiv auf alle Aktivitäten innerhalb der Lieferkette aus, sorgt für reibungslosere Abläufe und beugt Unterbrechungen vor. Darüber hinaus tragen fehlerfreie Bestandsdaten zu einer besseren Auslastung der Lagerressourcen sowie zur optimierten Planung bei.

Die IRA hat sich zu einer wichtigen Kennzahl entwickelt, um die Zuverlässigkeit der Bestandsdaten zu bewerten und eine genaue Kontrolle zu gewährleisten. Durch eine hohe Genauigkeit lassen sich Störungen minimieren, Fehlbestände vermeiden und die Abstimmung zwischen den verschiedenen Bereichen der Lieferkette verbessern.

Die IRA in 5 Fragen

Was bedeutet IRA in der Logistik?

IRA steht für Genauigkeit der Bestandsaufnahme. Es handelt sich um eine Kennzahl zur Messung der Übereinstimmung zwischen dem im System erfassten Bestand und der physischen Bestandsaufnahme. Damit lassen sich die Zuverlässigkeit der Daten bewerten, die Bestandsverwaltung optimieren, logistische Prozesse verbessern und Fehler wie Fehlbestände vermeiden.

In welchem Zusammenhang stehen die KPIs IRA und LRA?

IRA und LRA sind ergänzende Kennzahlen für die Bestandsverwaltung. Die IRA stellt fest, ob der Buchbestand mit dem physischen Bestand übereinstimmt, während die LRA überprüft, ob die Produkte an den im System zugewiesenen Stellplätzen gelagert sind. Beide helfen bei der Fehlererkennung und tragen zur Verbesserung der Zuverlässigkeit der Lagerdaten bei.

Was ist der IRA im Bestandswesen und worin unterscheidet er sich vom ERI?

Die KPI IRA (Inventory Record Accuracy) misst die Übereinstimmung zwischen dem im System erfassten Bestand und dem tatsächlichen Bestand. Im Spanischen wird dies als IRA (Genauigkeit der Bestandsaufnahme) bezeichnet. Der Unterschied ist rein sprachlicher Natur: Beide Begriffe beziehen sich auf denselben KPI für die Bestandsverwaltung.

Welcher IRA-Wert gilt in einem Lager als angemessen?

Ein angemessener IRA-Wert in einem Lager liegt in der Regel zwischen 95 und 100 %. Je genauer die Bestandsaufnahme ist, desto zuverlässiger sind die Daten im System und desto geringer ist das Risiko von Fehlbeständen, operativen Fehlern oder Unstimmigkeiten in der Bestandsverwaltung.

Welche Instrumente tragen zur Verbesserung der IRA in der Logistik bei?

Lagerverwaltungssysteme (WMS) verbessern die IRA in der Logistik, indem sie Echtzeit-Einblick in den Bestand bieten und die Bestandsverwaltung automatisieren. Durch Technologien wie Radiofrequenz, Barcodes oder RFID wird die Bestandsgenauigkeit erhöht und die Fehlerquote bei der Bestandsaufnahme verringert.

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