„Greenfield“ vs. „Brownfield“ bei Logistikprojekten

19 Feb 2026

Greenfield und Brownfield sind zwei zentrale Begriffe bei der Planung von Logistikprojekten. Beide definieren den Ausgangspunkt einer Investition: Bei Greenfield wird ein Lager auf einem unbebauten Grundstück errichtet, bei Brownfield wird eine Anlage auf einem zuvor bebauten Grundstück errichtet. Da Unternehmen im aktuellen Logistikumfeld ihre Ressourcen und Kosten optimieren möchten, ist es sowohl für Projekte mit automatischen Lagern als auch für die Implementierung von Software unerlässlich, den Unterschied zwischen Greenfield und Brownfield zu verstehen. 

Wir gehen in diesem Beitrag auf die Unterschiede zwischen einem Greenfield- und einem Brownfield-Projekt ein und geben praktische Beispiele und Tipps, wie man den am besten geeigneten Ansatz in Abhängigkeit von Kosten, Fristen und Investitionszielen auswählt.

Was ist ein Greenfield-Projekt?

Bei einem Greenfield-Projekt (oder Greenfield Project) wird eine neue Anlage von Grund auf neu geplant und umgesetzt – an einem Ort, an dem zuvor noch nie gebaut wurde. Diese Art von Projekt wird auf einem unbebauten Grundstück ohne vorherige Infrastruktur realisiert, sodass die Strom- und Kommunikationssysteme in der Regel von Anfang an geplant und implementiert werden. Laut dem Beratungsunternehmen Deloitte kann die Umsetzung eines Greenfield-Projekts zwischen drei und fünf Jahren dauern und umfasst Phasen von der Planung und Einholung von Genehmigungen bis hin zum Bau und zur Inbetriebnahme. Diese Fristen gelten jedoch hauptsächlich für Fabriken, da der Bau eines selbsttragenden Lagers in der Regel schneller erfolgt, was einen großen Vorteil für die Logistik darstellt.

Bei einem Greenfield-Projekt für ein automatisches Lager können von Anfang an die Kapazität, die Höhe (selbsttragend oder innerhalb einer Halle), die internen Warenströme und die vollständige Integration in die Logistikmanagementsysteme festgelegt werden, wodurch die betriebliche Effizienz und die zukünftige Skalierbarkeit sichergestellt werden.

In Bezug auf Logistiksoftware bedeutet ein Greenfield-Projekt die erstmalige Implementierung eines Lagerverwaltungssystems. Das Unternehmen kann die Prozesse für Wareneingang, Lagerung und Versand entsprechend seiner Strategie gestalten und das System bereits in der Planungsphase in ein ERP-System (z. B. SAP) integrieren. So lassen sich optimierte Arbeitsabläufe etablieren, die Rückverfolgbarkeit der Produkte vom ersten Tag an gewährleisten und die Funktionen der Software ohne Einschränkungen durch vorherige Systeme optimal nutzen.

Greenfield: Beispiele aus der Logistik

Der Begriff Greenfield wird traditionell mit dem Bau eines Gebäudes auf unbebautem Gelände in Verbindung gebracht. Im Logistikbereich wird er jedoch für ein Projekt verwendet, das von Grund auf neu geplant und umgesetzt wird, auch wenn das Gelände bereits erschlossen war oder andere Gebäude beherbergte. Ein Beispiel hierfür ist Lantmännen Unibake, einer der führenden Anbieter von frischen und tiefgekühlten Teigen für die Herstellung von Backwaren und Feingebäck in Europa. Das als Turnkey-Projekt konzipierte Lager in Nowa Sól (Polen) umfasst zwei automatische Systeme – eines für Tiefkühlprodukte und eines für Kühlprodukte. Es verfügt über eine Kapazität von 15.920 Paletten und ist mit der Produktion verbunden, wodurch ein Versand von etwa 100 Paletten pro Stunde erreicht wird.

„Das automatische selbsttragende Lager wurde in Modulbauweise konzipiert, d. h. wir können das Lager erweitern, wenn unsere Produktionsrate steigt, indem wir zu den derzeitigen fünf Gängen weitere hinzufügen“, erklärt Jerzy Sobieszczuk, Leiter der Lieferkette in Polen und Ungarn bei Lantmännen Unibake.

Ein Beispiel für ein Greenfield-Projekt im digitalen Bereich wäre die erstmalige Einführung eines LVS in einer neuen Logistikplattform. Die Software wird ohne vorherige Einschränkungen entwickelt, was ihre Integration in andere Systeme vereinfacht und vom ersten Tag an vollständige Rückverfolgbarkeit gewährleistet. Dies ist der Fall beim deutschen Industriedienstleister WISAG, der in Frankfurt ein neues digitalisiertes Lager mit der Software Easy WMS von Mecalux eröffnet hat. Dank dieses Systems verwaltet das Unternehmen 10.000 Artikel mit absoluter Präzision. Michael Lederer, Geschäftsführer von WISAG Logistics Solutions, bekräftigt: „Wir kannten bereits die Funktionen und Vorteile von Easy WMS, was seine Einführung in diesem neuen Zentrum erleichterte.“ 

Was ist ein Brownfield-Projekt?

Ein Brownfield-Projekt beruht auf der Modernisierung oder Sanierung einer Anlage auf einem zuvor bebauten Grundstück. Dabei werden die vorhandenen Infrastrukturen genutzt und die Auswirkungen auf die Umwelt reduziert. Laut CBRE setzt sich dieses Modell gegenüber Greenfield-Projekten durch, da es zu einer effizienten Landnutzung (Net Land Take Targets), zur Kostensenkung und zur Revitalisierung von Industrie- oder Stadtgebieten beiträgt.

Im Gegensatz zum Immobiliensektor werden die Begriffe Brownfield und Retrofit in der Logistik häufig als gleichbedeutend verwendet. Beide beziehen sich auf die Modernisierung einer Betriebsanlage oder die Aktualisierung ihrer Technologien im Hinblick auf eine Verlängerung ihrer Lebensdauer und eine Verbesserung ihrer Leistung, ohne dass ein neues Gebäude errichtet werden muss. Verschiedene Branchenanalysen – wie die von Forbes veröffentlichte Studie über Brownfield-Lager – verweisen darauf, dass die Modernisierung bestehender Zentren die Nutzung strategischer Standorte ermöglicht, jedoch technische Schwierigkeiten mit sich bringt. Dazu gehören beispielsweise die Anpassung der Automatisierung an bereits vorhandene Strukturen und die Aufrechterhaltung des Betriebs während der Bauarbeiten. 

Ein Brownfield-Projekt für automatische Lager bietet in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, ein manuell betriebenes Zentrum umzugestalten und mit trilateralen Regalbediengeräten auszustatten – eine ideale Lösung für die schnelle und kostengünstige Automatisierung einer Vielzahl herkömmlicher Lager.

Im Bereich der Digitalisierung kann ein Brownfield-Softwareprojekt den Austausch oder die Aktualisierung einer bestehenden Technologie umfassen. So kann beispielsweise eine Migration von einem alten LVS zu Easy WMS erfolgen, wobei die Daten erhalten bleiben und die Kompatibilität mit dem ERP- oder Produktionssystem gewahrt bleibt. Mit dieser Art von Projekten wird die digitale Infrastruktur ohne Unterbrechung des täglichen Betriebs modernisiert. Dabei wird die Erfahrung der Nutzer mit den bisherigen Systemen genutzt und die Einführungszeit im Vergleich zu einer komplett neuen Implementierung verkürzt. 

Brownfield: Beispiele aus der Logistik

Ein repräsentatives Beispiel für ein Brownfield-Projekt im Logistikbereich ist IKEA Components in der Slowakei. Dort wurde ein bestehendes manuelles Lager in ein automatisches Lager ohne Betriebsunterbrechung umgewandelt. Frantisek Stora, Geschäftsführer von IKEA Components Slovakia, erklärt: „Wir hatten Erfahrung mit der Automatisierung von Lagern, vor allem aber in Greenfield-Projekten, d. h. von Grund auf neu konzipierten Projekten. Mit der Hilfe von Mecalux haben wir eine bestehende Anlage umgestaltet, indem wir die Lagerstruktur und die Regale genutzt haben. Das Projekt war eine größere Herausforderung als in der Vergangenheit, aber nach seinem Abschluss kann ich bestätigen, dass es ein Erfolg für uns war.“

Ein Beispiel für ein Brownfield-Projekt im Bereich Logistiksoftware ist das Lager des weltweit führenden Haushaltsgeräteherstellers Electrolux in Cali (Kolumbien). Vor der Implementierung von Easy WMS verwendete das multinationale Unternehmen ein zunehmend veraltetes Lagerverwaltungssystem. „Bei einer so dynamischen Lieferkette wie der von Electrolux brauchten wir ein moderneres Programm mit mehr Funktionen. Als die Anzahl der Produkte zu steigen begann, wurde uns klar, dass wir eine strengere Kontrolle über die Waren führen mussten”, sagt Jeison Saavedra, Bestandsanalyst bei Electrolux. Heute kontrolliert das Unternehmen mithilfe von Easy WMS die Rückverfolgbarkeit von 250.000 Produkten in Echtzeit.

„Greenfield“ vs. „Brownfield“: Welches ist das richtige?

Die Wahl zwischen einem Greenfield- und einem Brownfield-Projekt in der Logistik hängt von der jeweiligen Situation des Unternehmens und seinen Investitionszielen ab:

  • Raum und Lage. Wenn das Unternehmen über Grundstücke verfügt und ein neues Design sucht, ist der Greenfield-Ansatz am besten geeignet. So lassen sich nämlich die Aufteilung und die Infrastruktur von Anfang an optimieren.
  • Betriebskontinuität. Wenn die Aufrechterhaltung des kontinuierlichen Betriebs Vorrang hat, ermöglicht ein Brownfield-Projekt die schrittweise Modernisierung der Anlage bei minimalen Auswirkungen auf den Warenfluss.
  • Kostenvoranschlag. Greenfield-Projekte sind in der Regel mit höheren Anfangsinvestitionen verbunden, während Brownfield-Projekte einen Teil der bestehenden logistischen Infrastruktur nutzen und so Kosten und Ausführungszeiten senken.
  • Technologie und Skalierbarkeit. Greenfield-Projekte ermöglichen die Implementierung vollständig integrierter und skalierbarer Lösungen, während Brownfield-Projekte den Weg zur Digitalisierung und Automatisierung ebnen, ohne die bestehenden Systeme vollständig zu ersetzen.
  • Risiken und Komplexität. Greenfield-Projekte ermöglichen eine vollständige Kontrolle über Design und Betrieb, sind jedoch in der Planungs- und Bauphase mit größeren Herausforderungen verbunden. Brownfield-Projekte erfordern eine detailliertere Planung unter Berücksichtigung bestehender Einschränkungen, können jedoch schneller und nachhaltiger umgesetzt werden.

Der passende Weg zur Modernisierung der Logistik

Die Entscheidung zwischen Greenfield und Brownfield steht am Anfang jeder Strategie zur Modernisierung der Logistik. Bei Greenfield-Projekten wird die ideale Anlage von Grund auf neu konzipiert, während Brownfield-Projekte zeigen, dass bestehende Lager mit minimalen Auswirkungen auf den Betrieb automatisiert und digitalisiert werden können.

In beiden Fällen ist ein Technologiepartner, der auf Turnkey-Lösungen spezialisiert ist und automatische Geräte und Logistiksoftware integrieren kann, von entscheidender Bedeutung, damit eine effiziente, skalierbare und auf die strategischen Ziele des Unternehmens abgestimmte Investition gewährleistet ist.

Greenfield- und Brownfield-Projekte in 5 Fragen

Was ist „Greenfield“?

Ein Greenfield-Projekt wird von Grund auf auf einem unbebauten Grundstück ohne Einschränkungen durch bestehende Infrastrukturen oder Systeme realisiert. Ziel ist die Planung der idealen Anlage und die integrierte Anwendung von Technologie.

Was ist „Brownfield“?

Bei einem Brownfield-Projekt wird auf einem bereits bebauten Grundstück gebaut, wobei die vorhandene Infrastruktur genutzt und die Umweltbelastung reduziert wird. In der Logistik bezieht sich dies auch auf die Modernisierung eines Lagers durch Automatisierung und Digitalisierung ohne Unterbrechung des Betriebs.

Was ist der Unterschied zwischen „Greenfield“ und „Brownfield“?

Der Unterschied liegt in der Infrastruktur: Bei Greenfield-Projekten wird bei Null angefangen, während bei Brownfield-Projekten bestehende Anlagen wiederverwendet und angepasst werden. Greenfield-Projekte bieten maximale Flexibilität beim Design und Brownfield-Projekte ermöglichen eine schnellere Modernisierung mit geringeren Anfangsinvestitionen.

Welche Beispiele gibt es für Greenfield- und Brownfield-Investitionen?

Ein Greenfield-Projekt ist der Bau eines selbsttragenden Lagers, das auf einem zuvor unbebauten Grundstück geplant und errichtet wird. Bei einem Brownfield-Projekt handelt es sich um die Umwandlung eines manuellen Lagers in ein automatisches Lager durch den Einbau von trilateralen Regalbediengeräten oder anderen Automatisierungssystemen.

Ist ein automatisches Brownfield-Lager realisierbar?

Ja, es ist realisierbar. Ein automatisches Brownfield-Lager kann schrittweise modernisiert werden, indem Regalbediengeräte, Förderbänder und fortschrittliche Software hinzugefügt werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Modernisierung so geplant wird, dass der Betrieb aufrechterhalten bleibt und die bestehenden physischen Einschränkungen berücksichtigt werden.

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