„Available-to-Promise”: Was es ist, wozu es dient und wie es berechnet wird
Available-to-Promise (ATP) ist eine wichtige Kennzahl, mit der Unternehmen unter Berücksichtigung des verfügbaren Lagerbestands und bereits eingegangener Verpflichtungen festlegen können, welche Produktmengen sie ihren Kunden zu welchen Terminen zusagen können. In einem von Omnichannel-Vertrieb, Lieferdruck und schwankender Nachfrage geprägten Umfeld ist die genaue Kenntnis der verfügbaren Mengen zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden.
Durch eine ordnungsgemäße Verwaltung des ATP werden Fehlbestände, Lieferverzögerungen und Unstimmigkeiten zwischen den Abteilungen vermieden. In diesem Beitrag erklären wir, was Available-to-Promise ist, wozu es dient, wie es berechnet wird und welche Hilfsmittel zur Optimierung seiner Verwaltung innerhalb der Lieferkette beitragen.
Was ist „Available-to-Promise” (ATP)?
Available-to-Promise ist die Produktmenge, die ein Unternehmen neuen Aufträgen zuweisen kann, ohne bereits eingegangene Verpflichtungen zu vernachlässigen. Die Berechnung basiert auf dem verfügbaren Lagerbestand, den bestätigten Kundenaufträgen und entsprechend dem Planungsmodell den erwarteten Wareneingängen oder Produktionsmengen.
Diese Kennzahl fungiert als Brücke zwischen der Nachfrage und der tatsächlichen Verfügbarkeit von Lagerbeständen im Vergleich zu Verpflichtungen. Dank ATP weiß der Vertriebsbereich, welche Mengen zu welchen Terminen reserviert werden können. Available-to-Promise ist besonders wichtig in Umgebungen mit hoher Fluktuation, mehreren Vertriebskanälen oder anspruchsvollen Lieferfristen. Dort wirkt sich jede Zusage direkt auf den Servicegrad und die betriebliche Effizienz aus.
„Available-to-Promise” vs. Sicherheitsbestand
Der Sicherheitsbestand ist eine Reserve zur Bewältigung von Nachfragespitzen oder Lieferengpässen. Available-to-Promise gibt hingegen an, welcher Teil des Lagerbestands für neue Aufträge reserviert werden kann.
Der Sicherheitsbestand dient als Reserve und sollte nur in Ausnahmefällen verwendet werden. Das ATP wird hingegen anhand des tatsächlich verfügbaren Bestands berechnet, abzüglich der bestätigten Bestellungen und strategischen Reserven. So können realistische Liefervereinbarungen ohne Beeinträchtigung des Servicegrads getroffen werden.
„Available-to-Promise“ vs. „Capable-to-Promise“
Available-to-Promise stützt sich auf den verfügbaren oder kurzfristig prognostizierten Lagerbestand, während Capable-to-Promise diesen Ansatz durch die Berücksichtigung der zukünftigen Produktionskapazität erweitert.
Wenn das ATP nicht zur Deckung des Bedarfs ausreicht, überprüft das CTP, ob das Produkt rechtzeitig hergestellt oder beschafft werden kann, um den gewünschten Termin einzuhalten. So können alternative Verpflichtungen angeboten werden, die sich auf die tatsächliche Produktions- oder Lieferkapazität stützen.
Wozu dient „Available-to-Promise“?
Mit Available-to-Promise lassen sich die Versprechen des Unternehmens gegenüber seinen Kunden mit dem tatsächlichen Lieferumfang in Einklang bringen. Hauptziel ist die Einhaltung der vereinbarten Termine und Mengen, ohne den Lagerbestand zu gefährden.
Dank ATP können Unternehmen Überverkäufe vermeiden, Lagerbestände entsprechend der tatsächlichen Verfügbarkeit zuweisen und Vorfälle aufgrund von Verzögerungen oder Stornierungen reduzieren. Darüber hinaus wird die Abstimmung zwischen Vertrieb, Logistik und Produktion erleichtert, da alle mit denselben Verfügbarkeitsangaben arbeiten können.
Diese Kennzahl verbessert auch die Planung, da sie eine Anpassung der Beschaffung und datengestützte Entscheidungen ermöglicht und somit die Zuverlässigkeit des Service und die Kundenzufriedenheit erhöht.
Formel zur Berechnung von „Available-to-Promise”
Zur Berechnung von Available-to-Promise gibt es je nach verwendeter Planungslogik zwei gängige Ansätze: Pull-based und Push-based.
„Pull-based“ -ATP
Beim Pull-based-Ansatz wird ATP anhand des aktuell verfügbaren Bestands berechnet. Diese Methode wird in Umgebungen angewendet, in denen die Nachfrage das Tempo vorgibt und die zukünftige Produktion bei der unmittelbaren Berechnung nicht berücksichtigt wird. Die Grundformel lautet:
Pull-based ATP = Lagerbestand – bestätigte Aufträge
„Push-based“ -ATP
Der Push-based-Ansatz berücksichtigt den zukünftigen Bestand aus der Produktion oder aus geplanten Lieferungen. Dieses Modell wird häufig in Unternehmen verwendet, die mittelfristige Produktions- oder Einkaufsplanungen durchführen. In diesem Fall wird ATP nach Zeiträumen berechnet:
Push-based ATP = (Anfangsbestand + Geplante Lieferungen) – bis zum nächsten Zeitraum zugesagte Bestellungen
Beispiel für die Anwendung von „Available-to-Promise”
Ein Unternehmen hat 1.000 Einheiten eines Produkts in seinem Lager, von denen 700 bereits bestätigten Aufträgen zugewiesen sind. Zu diesem Zeitpunkt beträgt das Available-to-Promise 300 Einheiten.
Wenn ein Neukunde 400 Einheiten mit sofortiger Lieferung anfordert, zeigt das ATP an, dass nur 300 Einheiten zum gewünschten Termin bereitgestellt werden können. Die restlichen 100 Einheiten müssen für einen späteren Termin eingeplant oder anhand des Ansatzes Capable-to-Promise bewertet werden.
Anhand dieses Beispiels wird deutlich, wie ATP realistische Entscheidungen ermöglicht, unerfüllbare Verpflichtungen vermeidet und dem Kunden Alternativen bietet, ohne die Kontrolle über den Lagerbestand zu verlieren oder den Servicegrad zu beeinträchtigen.
Tools zur Optimierung der Verwaltung von „Available-to-Promise”
Eine effektive Verwaltung von Available-to-Promise erfordert jederzeit Transparenz über den Lagerbestand und den Status der Aufträge. Ein Lagerverwaltungssystem (LVS) wie Easy WMS von Mecalux liefert die notwendige Grundlage für die Berechnung dieser Kennzahl. Es zentralisiert die Informationen über den Lagerbestand und dessen verschiedenen Zustände.
Mit Easy WMS lässt sich der Lagerbestand genau ermitteln und zwischen verfügbarem, für Aufträge reserviertem, zurückgestelltem oder gesperrtem Bestand unterscheiden. Dies sind entscheidende Faktoren für die Bestimmung der Produktmenge, die einem Kunden zu einem bestimmten Zeitpunkt zugewiesen werden kann. Das System kann auch den erwarteten Wareneingang berücksichtigen, wenn die Ware ohne Verzögerungen vor dem vereinbarten Termin eintrifft.
Dabei erleichtert das LVS die Berechnung des Available-to-Promise anhand von Betriebsberichten. Einer der wichtigsten ist der Gesamtbestandsbericht, der den Bestand in allen möglichen Zuständen anzeigt und einen konsolidierten Überblick über die tatsächliche Verfügbarkeit bietet. Diese Informationen sind unerlässlich für zuverlässige Entscheidungen über die Auftragsverpflichtung und für eine bessere Abstimmung zwischen Lager, Planung und Kundenservice.
Die Bedeutung von „Available-to-Promise” in der Lieferkette
Das Available-to-Promise ist eine strategische Kennzahl für zuverlässige Lieferzusagen und eine ausgewogene Bestandsführung. Durch die richtige Anwendung werden die Entscheidungsfindung verbessert, Zwischenfälle reduziert und der Kundenservice gestärkt. Mithilfe eines fortschrittlichen LVS und Analysetools wird ATP zu einer tragenden Säule innerhalb einer auf Effizienz und Kontrolle ausgerichteten Lieferkette.
„Available-to-Promise” in 5 Fragen zusammengefasst
Was ist die Definition von „Available-to-Promise“ (ATP)?
Available-to-Promise ist die Menge an Lagerbestand, die ein Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt für neue Aufträge bereitstellen kann. Dabei werden der aktuelle Lagerbestand und ausstehende Aufträge berücksichtigt. Damit lassen sich Erwartungen steuern und die Verfügbarkeit von Produkten für Kunden sicherstellen.
Wozu wird „Available-to-Promise” verwendet?
ATP wird zur Zuweisung von Kundenaufrägen verwendet, um Überverkäufe oder Verzögerungen zu vermeiden. Es hilft Unternehmen bei der Verbesserung des Kundenservice, der Optimierung der Produktionsplanung und der Koordinierung von Lagerbeständen und Nachfrage. So wird sichergestellt, dass Lieferverpflichtungen mit den tatsächlichen Lagerbeständen übereinstimmen.
Was ist der Unterschied zwischen „Available-to-Promise” und „Capable-to-Promise”?
ATP zeigt die Menge des Produkts an, die gemäß dem Lagerbestand und den bestehenden Aufträgen reserviert werden kann. Capable-to-promise (CTP) berücksichtigt darüber hinaus die zukünftige Produktionskapazität und mögliche Beschränkungen der Ressourcen. So können Aufträge auch dann zugewiesen werden, wenn der aktuelle Lagerbestand nicht ausreicht, sofern die Produktion diese rechtzeitig abdecken kann.
Was ist der Unterschied zwischen dem „Available-to-Promise”-Bestand und dem verfügbaren Bestand?
Der verfügbare Bestand spiegelt die Menge des Produkts wider, die zu einem bestimmten Zeitpunkt betrieblich genutzt werden kann, abzüglich Sperren, Reserven oder anderen internen Beschränkungen. Das Available-to-Promise geht noch einen Schritt weiter und wird durch Abzug der bereits fest zugesagten Bestellungen von diesem Bestand berechnet. So wird die Menge angezeigt, die neuen Kunden zugewiesen werden kann, ohne bestehende Verpflichtungen zu gefährden.
Wie lautet die Formel für „Available-to-Promise“?
Die Formel basiert auf dem derzeit verfügbaren Lagerbestand, von dem die bereits für bestehende Aufträge reservierten Mengen abgezogen und die zukünftigen Wareneingänge oder die geplante Produktion addiert werden. Damit wird die tatsächliche Menge widergespiegelt, die ohne Überschreitung der Lieferkapazität garantiert werden kann.