Robots-as-a-Service (RaaS): ein Modell On-Demand-Automatisierung
Robots-as-a-Service (RaaS) ist eine Option für Unternehmen, die die Automatisierung ohne den Kauf von Maschinen vorantreiben möchten. Dieses Modell kann in sich wandelnden Unternehmensumgebungen angewendet werden, da sich die automatisierten Lösungen je nach Bedarf flexibel erweitern oder reduzieren lassen. Gleichzeitig können Unternehmen sich so auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, während sie einen Teil der Handhabungsgeräte, deren Wartung und Aufrüstung an spezialisierte Anbieter auslagern.
In diesem Artikel gehen wir näher darauf ein, worin das RaaS-Modell besteht, welche Vorteile es bietet, wie es funktioniert und bei welchen Arten von Anwendungen es sich besonders bewährt.
Was versteht man unter Robots-as-a-Service?
Robots-as-a-Service ist ein Geschäftsmodell für Automatisierungslösungen auf Abonnementbasis, die ohne Kauf genutzt werden können. Es handelt sich dabei um eine Alternative oder Ergänzung zum Verkauf von Robotern auf Eigentumsbasis. Bei diesem Modell werden die Teams mit einem hohen Maß an Flexibilität in die Betriebsabläufe integriert, wodurch sich ihr Einsatz leicht an die Bedürfnisse des Unternehmens anpassen lässt.
Das RaaS-Modell kann von Anbietern, die sich auf Robotik und Automatisierung spezialisiert haben, in ihr Angebot aufgenommen werden. Dazu gehören Hersteller von autonomen mobilen Robotern (AMR) und Cobots (kollaborativen Robotern). Nicht alle Verträge sind gleich: Diese Anbieter stellen Unternehmen ihre Geräte gegen regelmäßige Gebühren oder nach einem Pay-per-Use-Modell zur Verfügung und bieten je nach Anbieter und Art der Technologie Wartung, Updates, Schulungen, Fernwartung oder Ersatzgeräte an.
In der Industrie und insbesondere in der Lieferkette hat in den letzten Jahren der Bedarf an flexibleren Prozessen die Einführung neuer Technologien vorangetrieben. In diesem Zusammenhang kann das RaaS-Modell eine Alternative für Unternehmen sein, die Roboter einsetzen möchten, ohne über das erforderliche Know-how und die notwendigen internen Ressourcen zu verfügen. Zudem können Unternehmen von der Automatisierung profitieren, indem sie Robotergeräte mieten und auf Cloud-Dienste zugreifen. So lassen sich die mit solchen Lösungen verbundenen technischen und betrieblichen Komplexitäten vereinfachen.
Wirtschaftlich gesehen ist Robots-as-a-Service eine interessante Option für Unternehmen, die sich keine hohen Anfangsinvestitionen in Technologie leisten können. Da die Automatisierung auf einem Abonnement basiert, wird sie weitgehend als Betriebsausgabe behandelt, die in der Regel besser vorhersehbar und skalierbar ist. Die Unternehmen wandeln einen Großteil der Anfangsinvestition in nutzungsabhängige Gebühren für die Maschinen und damit verbundene Dienstleistungen wie Wartung, Aktualisierungen oder die Erweiterung des Roboterparks um.
Vorteile von Robots-as-a-Service
Robots-as-a-Service bietet Vorteile für Unternehmen, die dieses Modell als Alternative zum Kauf automatischer Systeme in Betracht ziehen:
- Geringere wirtschaftliche Hürde. Roboter- und Automatisierungslösungen erfordern in der Regel eine Investition mit einer langen Amortisationszeit. Mit dem RaaS-Modell kann ein Großteil dieser finanziellen Hürde abgebaut werden, da die Automatisierung durch regelmäßige Zahlungen statt durch den Kauf der Geräte erreicht werden kann.
- Operative Flexibilität und Skalierbarkeit. Mit Robots-as-a-Service können Unternehmen außerdem die Anzahl der verfügbaren Roboter schneller erhöhen oder reduzieren. Laut der International Federation of Robotics (IFR) können Unternehmen mit dem RaaS-Modell ihre Roboterlösungen an das Arbeitsvolumen anpassen und so die Unterauslastung von Maschinen in dynamischen Betriebsumgebungen minimieren.
- Sich ständig weiterentwickelnde Technologie. Dank Robotics-as-a-Service bleiben Robotersysteme stets auf dem neuesten Stand. Anbieter von Technologielösungen verfolgen in der Regel eine Strategie der kontinuierlichen Aktualisierung ihrer automatisierten Systeme und Software, um mit den Fortschritten auf dem Markt Schritt halten zu können.
- Technischer Support. Als Eigentümer der Roboter sind die Lieferanten dafür verantwortlich, dass diese während der Vertragslaufzeit in einem optimalen Zustand bleiben und ordnungsgemäß und effizient funktionieren. Dazu gehören sowohl routinemäßige Wartungsarbeiten als auch technische Eingriffe, die zur Gewährleistung einer zufriedenstellenden Leistungsfähigkeit erforderlich sind.
Wie funktioniert Robots-as-a-Service?
Die Funktionsweise von Robots-as-a-Service lässt sich am einfachsten anhand eines Vergleichs mit dem Modell Software-as-a-Service (SaaS) verstehen. Bei diesem Ansatz erwerben Unternehmen digitale Lösungen nicht, um sie auf ihren eigenen Servern zu installieren, sondern greifen über die Cloud darauf zu und zahlen eine Gebühr für deren Nutzung. Ein typisches Beispiel sind Lagerverwaltungssysteme (LVS) wie Easy WMS, die nach diesem Modell implementiert werden können. Mehr als 70 % der Neukunden von Mecalux entscheiden sich für diese Version von Software-as-a-Service. Mit dieser Methode können Unternehmen die Implementierungszeiten verkürzen und sich schnell an die sich ändernden Marktanforderungen anpassen.
Ähnlich verhält es sich bei vielen RaaS-Implementierungen, bei denen Automatisierungslösungen nicht als Eigentum erworben werden, sondern als Dienstleistung genutzt werden: Das Unternehmen integriert Roboter und andere automatische Geräte, die ihm von einem Anbieter zur Verfügung gestellt werden, in seinen Betrieb und zahlt regelmäßig eine vereinbarte Gebühr.
Eine RaaS-Bereitstellung folgt in der Regel einer Abfolge, die zur Risikominimierung beiträgt:
- Analyse der Betriebsabläufe. Der Anbieter von Roboterlösungen analysiert die Arbeitsabläufe in der Anlage: Zykluszeiten, Fahrwege, Fehlerquoten, ergonomische Aspekte und mögliche Sicherheitsrisiken.
- Pilotversuch. Auf Grundlage dieser Diagnose wird ein begrenzter und messbarer Pilotversuch mit begrenzter Dauer gestaltet, der sich auf einen oder mehrere konkrete Arbeitsbereiche oder Prozesse konzentriert.
- Überwachung der Schlüsselindikatoren. Während des Pilotversuchs werden Kennzahlen wie Zeitersparnis oder Fehlerreduzierung überwacht und die Ergebnisse auf Zufriedenheit beider Seiten überprüft.
- Abonnement. Der nächste Schritt besteht in der Regel darin, einen Vertrag abzuschließen, der eine SLA (Service Level Agreement) enthält, in der die Ziele, die Support-Zeiten und die Kennzahlen für die regelmäßige Überwachung festgelegt wird.
Je nach Anbieter und Anwendung können Unternehmen über unterschiedliche Bezahlmodelle auf die Roboter zugreifen:
- Feste regelmäßige Gebühr. Dies kann Dienstleistungen wie Wartung und Support umfassen.
- Zahlung nach Nutzung. Es basiert auf bestimmten Aktivitätsindikatoren, wie der Anzahl der ausgeführten Aufgaben oder den Betriebsstunden.
- Hybridmodelle. Sie kombinieren Elemente beider Modelle, sodass Unternehmen über eine feste Anzahl von Robotern verfügen, die in der Gebühr enthalten ist und jederzeit erweitert werden kann.
Beispiele für Robots-as-a-Service
Robots-as-a-Service kann zur Automatisierung verschiedener Arten von Aufgaben in Industrie- und Logistikumgebungen eingesetzt werden. In diesem Abschnitt werden einige Anwendungsbeispiele für RaaS beschrieben, die in vier große Bereiche unterteilt werden:
- Lagerung und Transport. RaaS ist ein Vertriebsmodell für Technologien wie autonome mobile Roboter (AMR) oder Lagersysteme, die motorisierte Shuttles zum Ein- und Auslagern von Paletten verwenden. So befördern beispielsweise die AMRs von Mecalux Lasten zwischen verschiedenen Punkten im Lager und nutzen dabei Sensoren und Scanner für einen sicheren Betrieb, während Lösungen wie das automatische 3D-Pallet-Shuttle das Ein- und Auslagern von Paletten in den Regalen automatisieren. Bei dieser Art von Systemen kann die Anzahl der Wagen und Roboter entsprechend den Anforderungen der jeweiligen Anlage variieren.
- Montage. Roboter werden seit Jahren in Bereichen wie der Industrielackierung eingesetzt und werden zunehmend für sich wiederholende und komplexere Aufgaben wie das Auftragen von Klebstoffen, das Versiegeln oder das Sprühen von Beschichtungen eingesetzt. Mit Modellen für Robots-as-a-Service können Unternehmen robotergestützte Montagezellen testen und einführen, ohne gleich zu Beginn die gesamte Investition tätigen zu müssen.
- Qualitätskontrollen. Bei komplexeren Produkten oder Prozessen und steigenden gesetzlichen Anforderungen ermöglichen Roboterlösungen häufigere und systematischere Qualitätskontrollen. Diese Systeme erfassen Daten an mehreren Messpunkten und sind für wiederholte Prüfungen sehr nützlich. Bei RaaS-Modellen ist diese Funktion besonders vorteilhaft, da sie die individuelle Installation oder Erweiterung von Inspektionszellen ermöglicht.
- Palettierung. Palettierroboter stapeln und ordnen Produkte auf Paletten und versorgen Verpackungslinien mit konstanter Präzision. Neben dem Roboter umfassen diese Lösungen in der Regel Palettenfördersysteme, Greifvorrichtungen und Steuerungssysteme zur Koordination der Handhabung von Behältern und Paletten. Durch die Kombination der Bereitstellung der Hardware mit dem Know-how für die Integration in bestehende Prozesse können RaaS-Modelle diese Art von Projekten für mehr Unternehmen zugänglich machen.
Robots-as-a-Service: eine weitere Option in der Automatisierungsstrategie
Robots-as-a-Service ist eine weitere Option innerhalb der Palette der verfügbaren Automatisierungsmodelle. Dies kann für Unternehmen interessant sein, die die Robotisierung ihrer Anlagen ohne hohe Anfangsinvestitionen vorantreiben möchten oder für solche, die mit schwankender Nachfrage arbeiten oder sich bei der Inbetriebnahme und Wartung solcher Lösungen lieber auf spezialisierte Anbieter stützen möchten. Mecalux wendet das RaaS-Modell auf Lösungen wie das halbautomatische Pallet-Shuttle und autonome mobile Roboter (AMR) an. Dieser Ansatz kann mit verschiedenen Finanzierungs- und Vertragsmodellen kombiniert werden, wie beispielsweise Leasing oder Renting, die je nach Art des Projekts und der Anlage unterschiedliche finanzielle und vertragliche Aspekte berücksichtigen. Robots-as-a-Service ist also eine Alternative, die Unternehmen je nach ihren Bedürfnissen und ihrem operativen Reifegrad in Betracht ziehen können.